Verführung mit Abstrichen
Aus dem Steinbruch von St. Margarethen nahe Wien holten schon die Römer das Baumaterial für ihre Siedlung Carnuntum; später wurde mit dem dort gebrochenen Sandstein auch der Wiener Stephansdom gebaut. Mitte der 1990er-Jahre entdeckte man das Areal fürs Musiktheater und hält sich seitdem recht eng ans erweiterte Opern-ABC: «Aida» und «Carmen» kamen bereits mehrmals, «Die Zauberflöte» und «Nabucco» ebenfalls. In diesem Jahr steht Mozarts «Don Giovanni» auf dem Programm.
Wegen der 2011 gleichzeitig durchgeführten Passionsspiele verlegte man die Aktion von der großen auf die nach einem ehemaligen Leiter des Steinbruchs benannte «Ruffini»-Bühne. Dafür wurde deren Zuschauertribüne von 1500 auf 2185 Plätze erweitert – was vor allem Besucher mit längeren Gliedmaßen zu spüren bekommen.
Regie führte Thilo Reinhardt, sonst vor allem an der Komischen Oper in Berlin tätig. Sein ständiger Bühnenbildner Paul Zotter schuf die pittoreske Bühne: mediterrane Stadthausfassaden, die kaleidoskopartig verschoben werden und überraschende Einblicke bieten; im Zentrum Don Giovannis vielfältig und vorzugsweise natürlich erotisch genutzte Kutsche. In diesem Rahmen entfaltet sich ein munteres Spiel, bei dem ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 71
von Gerhard Persché
Wie jeden Sommer machte in Siena auch in diesem Jahr vor allem der «Palio» die Musik, ein Pferderennen mitten in der Stadt, auf der Piazza del Campo. Mit beeindruckenden Sieges- und Schmähgesängen feierten die Bewohner des Stadtteils Nobile Contrada dell’Oca (zu deutsch: das Viertel der Gans) den Triumph «ihres» Jockeys Giovanni Atzeni und seines Hengstes...
Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...
Was bewegt einen Komponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Sagenstoff noch einmal aufzunehmen, der in der Romantik viele und prominente Ausformungen erfahren hat – in der Literatur wie in der Musik? Antonín Dvorák war nicht mehr jung, als er «Rusalka» in einem Zug schrieb, ein hoch berühmter Mann, aber auf dem Gebiet der Oper bis dahin nicht wirklich...
