Politkriminal-Liebelei
Es scheint dem Intendanten Frédéric Chambert ein besonderes Anliegen zu sein, der Gegenwart in der BelcantoStadt mehr Platz einzuräumen. Für den als Auftragswerk des Théâtre du Capitole soeben uraufgeführten Dreiakter «Les Pigeons d’argile» wandte er sich an Philippe Hurel, einen Komponisten aus Pierre Boulez’ IRCAM. Bislang hatte sich Hurel auf Instrumental- und Orchestermusik konzentriert, gelegentlich mit Elektronik beschäftigt.
Für sein erstes Musiktheaterstück wählte er aber keineswegs das Kammerspiel, sondern die große Oper, mit groß besetztem Orchester, üppigem Chor und sieben stark geforderten Solisten, mit einer Handlung samt Exposition, Umschwung und Katastrophe.
Für das Libretto zeichnet der Franzose Tanguy Viel verantwortlich. Gerade an den Libretti hat es bei Neuschöpfungen in den letzten Jahren ja oft gehapert – dieser Text bildet eine erfreuliche Ausnahme. Linksextremisten entführen die Tochter eines Milliardärs. Sie verliebt sich in einen der Entführer. Politik, Krimi, Liebesgeschichte – alles kommt hier zusammen. Verfolgungsjagden und Schießereien werden mit Gesellschaftskritik und reflexiven Phasen gemischt, die Figuren psychologisch glaubhaft angelegt. Der von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Christian Merlin
Vor acht Jahren ging für Richard Bradshaw ein Traum in Erfüllung: Das Four Seasons Centre öffnete seine Pforten, das erste Theater in Kanada, das eigens für Oper und Ballett ausgelegt war. Ein Bau mit exzellenten Sichtlinien und erstklassiger Akustik, der Platz für mehr als 2000 Besucher bietet. Der langjährige Chef hatte endlich ein adäquates Haus für die größte...
Vom Finale der «Ariadne»-Oper hatte Hugo von Hofmannsthal klare Vorstellungen – als «wahrhaftiges Geheimnis» wollte er die Vereinigung Ariadnes mit Bacchus auf der Bühne sehen. Mit dem Eintritt des Gottes in die von Zerbinettas Commedia-Truppe immer wieder aufgemischte Tragödienwelt der kretischen Königstochter müssten alle «puppenhaften Kulissen verschwunden...
Wir sind nicht fröhlich oder traurig. Wir sind fröhlich oder gewalttätig.» So hat Stephen King, der king of horror, das amerikanische Lebensgefühl einmal zugespitzt. Disneyland und Todesstrafe. Mörderische Spaßgesellschaft. Aus dieser Richtung scheint sich in Köln Regisseur Viestur Kairish dem Weber’schen «Freischütz» genähert zu haben. Der Wettstreit zwischen...
