Schadensbegrenzung
Es ist das alte Lied: Hinterher will es niemand gewesen sein. Steckt der Karren erst mal im Dreck, fragen sich alle mit ernster Unschuldsmiene, wie er wohl dahin gekommen ist. Dann hebt die Suche nach den Schuldigen an, und dabei wird der Zeigefinger gern auf Mitfahrer gerichtet, die erst aufgesprungen sind, als das Gefährt längst auf falschem Kurs war. In diesem Stadium wird viel und aufgeregt geredet – selten miteinander, umso mehr übereinander. Wenn nun noch Marktschreier auftreten, die für die eine oder andere Partei Stimmung machen, ist die Malaise perfekt.
So wie in Leipzig. An den jüngsten Turbulenzen um die dortige Oper lässt sich exemplarisch ablesen, wie dieser Mechanismus funktioniert. Da bestellt die Stadt einen Star-Dirigenten zum Generalmusikdirektor der Oper, der nie einen Zweifel daran ließ, dass er den Schwerpunkt seiner Arbeit als Konzertkapellmeister des Gewandhausorchesters sieht. «Die Verabredung mit dem Oberbürgermeister war, dass in Abstimmung mit dem Orchestervorstand und mir ein Musikdirektor und ein Ständiger Gastdirigent verpflichtet werden, die sich um die Opernarbeit des Orchesters kümmern», erklärt Riccardo Chailly im Gespräch mit dieser Zeitschrift. ...
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Kristina Wuss, Berghaus- und Konwitschny-Schülerin, hat Oscar Wildes einstiges Skandaldrama gegen den Strich gelesen. Sie entziffert in Strauss’ Vertonung der Begegnung der morbiden Kindfrau mit dem asketischen Propheten zu Recht eine psychologische Introspektion. Bei ihr ist Salome keine wahnsinnige Mänade, sondern ein junges Mädchen, das in einer aus den Fugen...
«Überkandidelt», sagte jemand nach der Premiere von Strauss’ «Capriccio» an der Wiener Staatsoper. Das Wort mag etwas mit dem Kandieren zu tun haben, einer Konservierungsmethode für Obst, die den Zuckergehalt erhöht und den Wassergehalt reduziert. Die Assoziation hätte etwas für sich, denn der Gehalt von Strauss’ Partitur an reifer, gelegentlich überbordender Süße...
Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher...
