Kulturkampf in der Grauzone
Ist plötzlich die Last von ihm abgefallen? Der innere Druck intensiver Probenwochen? Die Krisen des zweijährigen Ringens um ein Stück, ein Genre, das wie ein Buch mit sieben Siegeln erschien? Sind sie plötzlich verflogen, die Zweifel, Skrupel, bohrenden Fragen, die so lange im Kopf herumspukten? Wieder und wieder hatte er sie mit «der Bettina» (Bartz) und «dem Luc» (Joosten), seinen Dramaturgen, durchdekliniert.
Aber jetzt ist es, als wäre ein Schalk in den Mann gefahren, der da in einem Seitenfoyer der Genter Oper frisch, fröhlich, frei aus dem Nähkästchen plaudert und die Ruhe weg hat, eine halbe Stunde vor der Premiere.
«Die Bibel», scherzt Peter Konwitschny und nickt neckisch zu einem circa fünf Pfund schweren Buchkoloss hinüber, der sein Lebenswerk dokumentiert. Der Untertitel des Bandes: «Oper als Zentrum der Gegenwart». Ein großes Foto ziert den Schutzumschlag, lachend nimmt uns der große Operndeuter, der altmeisterlich junge Theateraufklärer ins Visier, das Ohr auf Empfang gestellt. In schlanken Lettern ruft es aus ihm heraus: «Mensch, Mensch, Mensch!» Sein brechtianisch, berghausianisch gefiltertes «ecce homo». Sein Appell, sich nie, nie, nie zu beruhigen angesichts der ...
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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann
Jubilare
1935 als Sohn eines Architekten in Heidelberg geboren, studierte Michael Hampe Cello an der Syracuse University in den USA, bevor er die Falckenberg Schauspielschule in München besuchte und sein Theater- und Musikwissenschaftsstudium mit einer Dissertation über Bühnentechnik an der Universität Wien abschloss. Nach ersten Regiearbeiten in Deutschland und der...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752279
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Fax: +49(0)30/25 44 95 12
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.05.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
In einer Schmiede, sollte man meinen, geht es hitzig zu, stieben Funken, rinnt Schweiß. Der neue Leipziger «Siegfried» hingegen hat Mühe, auf Betriebstemperatur zu kommen. Was weniger an den seltsamen Schlingpflanzen liegt, die Bühnenbildner Carl Friedrich Oberle wuchern lässt. Sondern daran, dass der erste Aufzug nicht funktionieren kann, wenn Mime nicht zündet....
