Ein Gastmahl in Zeiten der Pest
«Wozu darüber reden? Jeder weiß doch Bescheid. Alle wissen, dass es absurd ist», sagt der Schauspieler Philipp Avdeev, auf die Zurückhaltung angesprochen, die sich die Mitarbeiter des Moskauer Gogol-Zentrums auferlegt haben, wenn es um das Prozessverfahren geht, das ihren Künstlerischen Leiter seit August 2017 mit Hausarrest sanktioniert. Und er fährt fort: «Als Buddhist bewahrt Kirill Serebrennikov größte Gelassenheit. Wir nehmen uns an ihm ein Beispiel. Das Wichtigste ist, unsere Theaterarbeit fortzusetzen – angstfrei und entspannt.
»
Wie konnte «das Gogol» die vergangenen anderthalb Jahre überleben, in denen es mit seinem Leiter und Chefregisseur nur über den Anwalt kommunizieren durfte? Was hat es den Beteiligten ermöglicht, nicht nur den Spielbetrieb fortzuführen, sondern auch erfolgreich Neuproduktionen zu stemmen? An erster Stelle sicher der von Serebrennikov vorgelebte Geist der Freiheit und Selbstverantwortlichkeit. Ein Künstler, der die Fähigkeit besitzt, Mitarbeitern Vertrauen zu schenken und Verantwortung zu übertragen. Avdeevs Ensemblekollege Aleksandr Gorchilin erinnert sich: «Im Studium hat Kirill uns gesagt: ‹Ich möchte nicht, dass ihr Schauspieler werdet, ich ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Sergio Morabito
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Die Welt ist ein Karussell, und immer wieder tanzen die gleichen geisterhaften Schemen vorbei. Ein langes Menschenleben ist vergangen, seitdem das Reichs-Hinkebein «Wollt ihr den totalen Krieg?» krähte und Millionen Schafe «Ja» blökten. Man dachte, solche Szenen seien für immer im Gruselkabinett der Vergangenheit verschwunden, doch acht Jahrzehnte später scheint...
Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir, Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz...
