Selbst ist die Frau
«Kleopatra» müsste diese Händel-Oper heißen, nicht «Julius Caesar». Daran lässt Lydia Steiers Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin keinen Zweifel. Noch ehe Konrad Junghänel den Einsatz für die Ouvertüre gibt, wird uns ein Blick auf die ägyptische Herrscherin gewährt. Wir teilen eine ihrer Erinnerungen, schauen der Jugendlichen beim Gerangel mit ihrem Bruder Ptolemaios zu, mit dem sie Reich und Ehebett teilen soll, sehen auch ihre Zukunft: Kleopatra, gramgebeugt, eine Natter am Busen.
Immer wieder lässt uns die Regisseurin in stummen Szenen die Welt mit Kleopatras Augen sehen. Dort das gespreizte Gehabe der amüsierwütigen Hofleute. Hier der Barbar Ptolemaios, der Pompeius’ Haupt verspeist (mit besten Tischmanieren). Als Kleopatra hört, Caesar sei tot, und alles verloren glaubt, gleitet der Palast zur Seite, und der gähnende Bühnenraum veranschaulicht das Vakuum, das sie nun empfindet.
Herrlich sinnlich ist die Optik dieser Produktion, insbesondere die dekadenten Gelage der Höflinge. Der schimmernde Fisch auf der Tafel, die zu Pyramiden getürmten Früchte. Eine überlange Hutfeder, eine besonders ausgefallene Frisur. Steier siedelt die Handlung in der Entstehungszeit der Oper ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Wiebke Roloff
Der Katalane Hèctor Parra (Jahrgang 1976) gehört zu den renommiertesten Komponisten der jüngeren Generation. Und zu den originellsten Vertretern einer neuen Ästhetik, bei der es zwischen den Stimmen, den Instrumenten und der Live-Elektronik zu einer dramatischen Interaktion kommt wie in seinem 2009 am Pariser IRCAM uraufgeführten Opernentwurf «Hypermusic...
Jubilare
Peter Schreier kam 1935 als Sohn eines Kantors und Lehrers in Meißen zur Welt. Als Mitglied des Dresdner Kreuzchores wurden ihm bereits früh Alt-Solopartien übertragen. Nach dem Stimmbruch begann er, sich die Tenorpartien in Bachs Passionen und Kantaten zu erobern, mit denen sein Name bis heute verbunden ist. Nach dem Abitur studierte er an der Dresdner...
Den ausgefuchsten Dramatiker erkennt man am szenischen Rhythmus. Georg Friedrich Händel und sein Librettist Vincenzo Grimani hatten Sinn dafür. In «Agrippina» ist der Kontrast von vierter und fünfter Szene im zweiten Akt einfach brillant. Zuerst schleimt sich das gesamte Personal auf proppenvoller Bühne bei Kaiser Claudius ein. Dann fragt der stets loyale Otto nach...
