Magisch realistisch

Rimsky-Korsakows «Kitesch» in der Amsterdamer Produktion von Dmitri Tcherniakov auf DVD

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Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks Motto, nach dem in jeder Kreatur ein Funken Gottes steckt, lässt sich durchaus auf Rimskys so atheistisches wie ­inbrünstiges Glaubensmodell beziehen.

Vor allem setzt Janácek auf jene Mischung von Realismus, epischer Dramaturgie und poetischer Überhöhung, die auch «Kitesch» kennzeichnet. Ganz abgesehen davon, dass Rimskys Stück den pantheistischen Sog des «Schlauen Füchsleins» vorwegnimmt: die Mischung aus musikalischer Naturmalerei und hypnotisierender Hymnik.

Solche Vergleiche sind natürlich müßig. «Kitesch» steht als autonomes Meisterwerk für sich. Sie helfen allerdings, die szenische Herausforderung zu verstehen, die sich damit verbindet. «Kitesch» spielt buchstäblich im Diesseits und im Jenseits; ein Stück über Krieg und mentale Verwüstung, aber auch eines aus dem Geist des Märchens und ekstatischer ...

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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: DVD des Monats, Seite 27
von Stephan Mösch

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