Ungemein gut gelaunt

Chabrier: L’Étoile London / Royal Opera House

Opernwelt - Logo

Den Engländern kann man nicht trauen, was Humor betrifft. Ihr Sinn für denselben ist zwar weltberühmt, aber auch ein sehr spezieller. Jedenfalls nicht kompatibel mit dem der Franzosen – der Ansicht jedenfalls scheint Regisseurin Mariame Clément zu sein, die jetzt in Covent Garden die erste Aufführung von Emmanuel Chabriers Opéra bouffe «L’Étoile» auf der Insel inszenierte – und dem Publikum des Royal Opera House vorsichtshalber mit zwei hinzuerfundenen Figuren Hilfestellung gab.

Ein Engländer und ein Franzose bestaunen und kommentieren das Spektakel um Prinzessin Laoula, ihren Geliebten Lazuli und ihren Verlobten König Ouf. Die Dialoge haben Clément und die beiden Schauspieler dick mit Anspielungen aufs britische Heute gespickt und dabei – vom Londoner Bürgermeister Boris Johnson bis zum Sherlock der BBC-Serie – querbeet alles Mögliche auf die Schippe genommen. Zwar darf bezweifelt werden, dass die Londoner Chabriers Schelmereien ohne die Zutaten nicht verstanden hätten. Aber Chris Addison und Jean-Luc-Vincent greifen als «Smith» und «Dupont» den Esprit des Stücks treffsicher auf und machen ihre Sache fabelhaft – angefangen mit der Ouvertüre, zu der Dupont, den Schuh am Fuß zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Aus dem Leben eines Taugenichts

Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren...

Herausforderung

Im September 2013 fand in Winterthur eine Tagung zu Biografie und Schaffen von Walter Braunfels statt, deren Beiträge inzwischen gedruckt als Sonderband der Reihe Musik-Konzepte vorliegen. Warum Winterthur? Weil dort Werner Reinhart saß, Kaufmann und langjähriger Mäzen von Braunfels. Ihm und dem nicht ungetrübten, aber letztlich stabilen Verhältnis der beiden ist...

Chaplinesk

Was ist denn das für eine Attentäterin? Anstatt das zu tun, wozu sie gekommen ist, nämlich den Diktator umzulegen, lässt sie sich von ihm betören – und wirft sich schließlich sogar in die Schusslinie, als die Gattin des Despoten das vollenden will, was sie nicht konnte. Ernst Krenek hat den nur 30 Minuten langen Einakter «Der Diktator», dessen Handlung seltsam...