Melancholie, mon amour
Nanu, was haben wir denn da? Donna Anna in anderen Umständen? Noch während die Staatskapelle Weimar und ihr (zum Saisonende scheidender) GMD Kirill Karabits auf sprungfedernden Füßen durch die Ouvertüre flitzen, steht Heike Porstein im Brautkleid auf einem Podest im Bühnenrückraum und streicht ihre Hände sanft über den gewölbten Bauch. Zu ihrer Rechten, im bügelfaltenfreien cremefarbenen Anzug, Don Ottavio (Artjom Korotkov), ein leicht blässlicher Gentleman, allzeit bereit, der Dame seines Herzens beizustehen.
Die Frage ist nur: Stammt das neue Menschenkind von ihm?
Die Antwort auf diese pikante Frage erhalten wir wenige Opernminuten später. Der Komtur ist tot. Seine Tochter, mittlerweile im schwarzen Doňa Rosita-Kleid, ihr Verlobter und ein Knabe in kurzen Hosen (Ivan Karabits) trauern lilienbewehrt vor seinem Bildnis, während der Mörder immer noch mit der Pistole herumfuchtelt, die zuvor den Adeligen proletarisch kaltblütig zur Strecke brachte. Es ist die Haarfarbe des Jungen, die alles erklärt. Flammendes Rot, wie bei seinem Vater – wie bei Don Giovanni.
Der ist in Demis Volpis zunächst spielerisch-humoriger, dann hintersinnig-poetischer Inszenierung am Deutschen ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Jürgen Otten
Sie sind zwar bloß aus Papier oder Plastik, doch sie bergen tiefe Gefühle: Alljährlich im November stecken Briten sich im Gedenken an die Verheerungen der großen Kriege des 20. Jahrhunderts Mohnblüten ans Revers. Der 11. November (an dem im Jahr 1918 der Erste Weltkrieg endete) ist «Remembrance Day», informell auch «Poppy-Day» genannt, in Anlehnung an das Gedicht...
Man schrieb das Jahr 1996 in den Annalen des Rossini Opera Festival: Juan Diego Flórez sollte eigentlich die kleine Rolle des Ernesto in «Ricciardo e Zoraide» singen, übernahm aber stattdessen die zentrale Tenorpartie in «Matilde di Shabran» – und wurde über Nacht zum Star. Seitdem kehrt er ungefähr alle zwei Jahre zu dem Festival zurück, das im italienischen...
Das Stück wird geliebt, seine kompositorische Finesse oft gerühmt. Aber es könnte noch viel besser sein, hätte Erich Wolfgang Korngold die Oper nicht mit Anfang 20, sondern mit 30 geschrieben und den «Genius loci» nicht vollständig aus der Musik verbannt. Das von ihm und seinem Vater verfasste Libretto weist Brügge durchaus eine zentrale Rolle zu; musikalisch...
