Ohne Widerlager
Stanislaw Lem sah die vielen Bearbeitungen seines Sci-Fi-Romans «Solaris» von 1961 mit Skepsis. «Alles Interessante an meinem Roman bezog sich auf das Verhältnis der Menschen zu diesem Ozean als einer nicht-humanoiden Intelligenz – nicht auf irgendwelche zwischenmenschlichen Liebesgeschichten», bemerkte er 2001 zu Steven Soderberghs Verfilmung. Selbst Tarkowskis ungleich bedeutenderer Film (1972) missfiel ihm.
Die Darstellung des Ozeans, der die gesamte Oberfläche des Planeten Solaris bedeckt, ist in der Tat der Knackpunkt.
Er ist ein Wesen von überlegener, ja gottgleicher Intelligenz und kreativer Potenz – die Objekte und zoomorphen Formen, die er unentwegt hervorbringt, können Worte durchaus, die Mittel eines Bühnen-Illusionismus eher weniger fassen. Dai Fujikura und sein Librettist, Regisseur und Choreograf Saburo Teshigawara wollten sich auf den «abstrakten» Kern des Textes, das philosophische Argument, konzentrieren. Doch auch sie hielten sich letztlich ans Menschlich-Greifbare: die Beziehung zu den «Besuchern», Emanationen des Ozeans, die früheren Bezugspersonen der Betroffenen täuschend nachgebildet sind. Stellvertretend gibt es hier nur eine Besucherin, Hari, die Frau des ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Ingo Dorfmüller
Die Hoffnung, dass alles schon irgendwie gutgehen wird – in Annie Proulx’ Wyoming-short stories wird sie kunstvoll langsam, aber gnadenlos zermalmt. Vielleicht ist es das, was Charles Wuorinen bei der Veroperung von «Brokeback Mountain» (siehe OW 3/2014) mit seinen unwirschen Orchestertexturen einfangen wollte. Sie treffen den Nerv der zermürbenden Streitereien,...
Drei abgehackte Köpfe, damit haben wir gerechnet, summa summarum. Wer auszieht zu dreimal «Salome», muss sich schließlich auf eine gewisse Anzahl Kunststoffleichenteile gefasst machen. Aber es werden fünf. Und drei davon gehören nicht Jochanaan.
An Coburg liegt es nicht. Hier wird solide am Libretto entlang erzählt, und auf dem Höhepunkt gibt’s Jochanaans bleiches...
Als Donizettis «Don Pasquale» 1843 uraufgeführt wurde, kam dem Rezensenten der «Leipziger Illustrirten Zeitung» die äußerliche Handlung reichlich abgestanden vor. Der alte Geizhals Don Pasquale, der sich eine junge Frau angelt, um dann unter ihren Pantoffel gestellt zu werden, sei der «Schatten eines längst Abgestorbenen, den man vergessen hat zu beerdigen, und der...
