Unerbittlichkeit der Mikrofone
Dass der Wagner-Novize Valentin Schwarz 2020 in Bayreuth den «Ring des Nibelungen» inszenieren soll, war ebenso eine Überraschung wie die Nominierung des musikalischen Leiters Pietari Inkinen. Der Finne, geboren 1980, hat den «Ring» immerhin schon dirigiert, 2013 im australischen Melbourne. Eine Vorstellung von Künftigem bietet nun eine CD mit dem gekürzten dritten «Siegfried»-Akt. Es spielt die Deutsche Radio Philharmonie, deren Chef Inkinen seit 2017 ist.
Der ernüchternde Eindruck: Man sollte die Erwartungen nicht allzu hoch ansetzen, so undramatisch, ja zurückgelehnt klingt das Vorspiel, so gemächlich rollt Wotans Wutsturm heran. Von in Tönen gefasstem Donner keine Spur. Da knarzt kein Bühnenbretterboden, weht kein Orkan durch die Kulissen, obgleich in Saarbrücken wacker musiziert wird, nur den Streichern fehlt etwas Fett auf germanischen Rippen.
Es wird nicht besser, wenn Stefan Vinke die Szene betritt. Klar, welcher Intendant wäre nicht froh, einen Siegfried zu engagieren, der mit Tenor-Kraft und langem Atem bis zum rumpelnden Finale durchhält. Allein: Live im Opernhaus mag sich manches versenden, doch Mikrofone sind unerbittlich, halten schlampige Dynamik, grobe Attacke, ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Götz Thieme
Hans Falladas 1937 veröffentlichter Roman «Wolf unter Wölfen» spielt im Inflationsjahr 1923. Ein Buch der Unruhe, das in vielen Strängen vom Chaos jener Zeit erzählt. John von Düffel hat den Stoff zu einem Libretto verdichtet, Søren Nils Eichberg im Auftrag des Koblenzer Theaters die Musik dazu geschrieben. Vor zwei Jahren wurde am gleichen Ort Eichbergs...
Zugegeben, kurz erschrickt man schon, wenn sich der Vorhang öffnet und den Blick auf hypernaturalistische Kulissen freigibt: In handwerklich exzellenter Ausführung ist der Originalschauplatz von Camille Saint-Saëns «Samson et Dalila» nachgebildet, ein Dorf im Tal Sorek. Rechterhand steht eine Reihe von Lehmhäusern, linkerhand erheben sich Felsen. Hat die Berliner...
Der Monolog aller Monologe, er kommt schon kurz nach Beginn – nicht wie bei Shakespeare erst im dritten Akt. Als wollte Brett Dean die größte Herausforderung gleich am Anfang in Angriff nehmen. Ein Befreiungsschlag? Nun ja. Was Hamlet da murmelt, ist allenfalls ein verstümmelter Monolog, mehr lakonische Feststellung als Frage: « ... or not to be». Als müsse er zur...
