Mitte des Ausdrucks
Den Goethe-Liedern von Schubert (August 2015) lässt der Tenor Mauro Peter knapp ein Jahr später ein veritables Schumann-Album folgen. Zwar gibt auf dem Cover der bedeutende Heine-Zyklus «Dichterliebe» op. 48 den Ton an, doch bilden die folgenden ausgewählten Gesänge (neben den Fünf Liedern op. 40 weitere zehn Heine-Vertonungen) mehr als bloß Beiwerk.
Und dies nicht nur aus Gründen des Repertoires, sondern auch mit Blick auf die stimmlich umsetzbaren Ausdruckscharaktere, die die Veröffentlichung zu einem weiteren Baustein dieser noch jungen Sängerkarriere machen – insbesondere in der Ballade über den biblischen Belsazar.
Und doch ist es so, dass im Lied-Fach wie in kaum einer anderen Gattung eine gewisse, nicht nach Jahren zu zählende innere Reife notwendig ist, um bestehen zu können. Dies gilt zumal für die großen erzählenden Zyklen, denen bei aller Romantik auch ein wenig «Sturm und Drang» innewohnt: Interpretiert man sie zu abgeklärt, verlieren sie ihr inneres Glühen. Nimmt man sie jedoch allzu fiebrig, geht man allzu sehr in ihnen auf, stellt sich schnell der Eindruck des bloß Schwärmerischen ein – gerade bei der «Dichterliebe» mit all ihrem Sehnen und Grollen. Vielleicht ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 31
von Michael Kube
Theaterhäuser gehören schon relativ lange zur Geschichte Australiens – doch dass es Freiluftaufführungen nach europäischem Modell gibt, ist eine Entwicklung neueren Datums, einfach, weil es in der Regel zu heiß ist. In der Premiere von Alan Johns «Sydney Opera House» – der ersten Neuinszenierung dieser «Oper zur Oper» (1995), jetzt auf dem Vorplatz derselben...
Schon der Trabi, der vor der giftgrünen Waldkulisse parkt, sorgt für Heiterkeit. Als ein riesenhafter Wiedergänger des Sandmännchens, das hier den Erzähler gibt, auf die vorn ausgerollte Kunstwiese wackelt, erfasst das kichernde Entzücken den ganzen Saal. Jirí Nekvasil lässt Orffs «Mond» auf der großen Bühne des Prager Nationaltheaters eine DDR-Kulturlandschaft...
Das größte Kompliment, das Mozart je einer Sängerin machte, galt der von ihm nicht nur als Gesangskünstlerin angehimmelten jungen Aloysia Weber: Sie habe die für sie komponierte Konzertarie «Non sò d’onde viene» KV 294 mit genau jenem Geschmack (gusto), jener Methode (metodo) und jenem Ausdruck (espressione) gesungen, die er sich gewünscht habe. Von Gesangstechnik...
