Schmerzensmann
Mit seiner 126. Bühnenrolle gab Plácido Domingo im März 2008 an Madrids Teatro Real ein überraschendes Debüt. Der Bajazet im «Tamerlano», den Domingo anschließend auch in London und Washington präsentierte, war die erste Händel-Rolle des damals 67-Jährigen überhaupt – ein mutiger Schritt für einen Sänger, der bis dahin selbst Mozart nur ausnahmsweise («Idomeneo») in Angriff genommen hatte.
Zum Barocksänger wurde Domingo für diese Rolle natürlich nicht: Die Koloraturen seiner beiden Arien im ersten Akt, «Forte lieto a morte andrei» und «Ciel e terra armi di sdegno» sind für ihn keine Ausdrucksmittel, sondern eher Hindernisse, die irgendwie überwunden werden müssen. Domingos Interesse für Bajazet dürfte ohnehin andere Gründe gehabt haben: Erstens liegt die Rolle relativ tief. Zweitens ist der gestürzte Sultan eine szenisch glaubwürdige Partie für einen Tenor, der seine grauen Schläfen nicht verstecken möchte. Und drittens ist der Bajazet mit seiner großen Todesszene im dritten Akt die eigentliche Hauptfigur der Oper. Hier kann Domingo denn auch am stärksten fesseln – etwa im Arioso «Figlia mia», für das er anrührend weiche Piano-Töne findet. Anders als der wahnwitzige, hitzköpfige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Szenerie war imposant. Die Wiener Philharmoniker füllten in voller Breite die Felsenreitschule, links hoch oben thronte die Schlagwerk-Gruppe auf einem gesonderten Podest. Rechts hing eine riesige Video-Wand mit grauweißer Grundmusterung, darunter war der Chor, die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, postiert. Links hinten erstreckten sich sechs oder...
Nur alle fünf Jahre findet der 1984 ins Leben gerufene und nach der Sängerin und Gesangspädagogin Mirjam Herlin (1911-2006) benannte Gesangswettbewerb in Helsinki statt. Er genießt internationales Ansehen und kann bereits auf eine stolze Siegerliste zurückblicken, in der sich Namen wie Vladimir Chernov, Olaf Bär, Andrea Rost, René Pape und Elina Garanca finden. Die...
Schon zu Berlioz’ Lebzeiten galten «Les Troyens» in der fünfaktigen Version als unaufführbar. Der Komponist musste sein ehrgeizigstes Werk deshalb teilen. Was dann am
4. November 1863 unter dem Titel «Les Troyens à Carthage» im Pariser Théâtre-Lyrique zur Uraufführung kam, waren die letzten drei Akte. Die ersten beiden («La Prise de Troie») wurden zehn Jahre nach...
