Im Spiegelbild der Eitelkeiten
Auch in seinem neuesten, vierzehnten Werk für das Musiktheater ist Giselher Klebe dem Genre der Literaturoper treu geblieben. Anders als in allen vorausgegangenen Werken fiel die Wahl des jetzt 82-Jährigen, der seit 1957 als Kompositionsprofessor in Detmold lebt, jedoch erstmals auf einen heiteren Stoff, Nikolaj Gogols 1836 uraufgeführte Komödie «Der Revisor», für Vladimir Nabokov «das größte Stück, das in russischer Sprache je geschrieben wurde».
Chlestakow, ein bankrotter Spieler, düpiert die Honoratioren einer Kleinstadt, die durch die Ankündigung eines inkognito reisenden hohen Beamten aus Petersburg in Angst und Schrecken versetzt sind. Sie fürchten die Aufdeckung ihrer Klüngel- und Pöstchenwirtschaft, halten den im Gasthof abgestiegenen jungen Reisenden für den Revisor und bestechen ihn auf jede nur denkbare Weise. Als Chlestakow der Boden zu heiß wird, reist er überstürzt ab.
Klebe hat die Vorlage kräftig zusammengestrichen, sprachlich nicht immer zu ihrem Vorteil aktualisiert – etwa wenn von der «Stallpflicht» des Federviehs die Rede ist oder Chlestakow mit «Begrüßungsgeld» geschmiert wird – und dem Schluss eine neue Wendung gegeben. Während bei Gogol die Kleinstädter in ...
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Anna & Rolando? Ach was, das «Traumpaar der Oper» heißt Patrice & Pierre! Man muss Chéreau und Boulez nur ein paar Sekunden auf der Probe zusehen, um das kongeniale An-einem-Strang-Ziehen zweier Großmeister zu erleben. Hätten manche ihrer Kollegen nur halb so klare Ideen, nur einen Hauch solch visionären Pragmatismus: Das Musiktheater stünde anders da, als es das...
Zart, delikat, wie aus dem Nichts herbeigezaubert drängt das Vorspiel zum ersten Aufzug in den verschatteten, hermetisch abgeschotteten Raum. Unaufdringlich ziehen Fagotte und Tuben ihre Linien, gleichsam geräuschlos, wie die Ventilatoren, die den Betonbunker Mimes und Siegfrieds belüften. Nicht einmal zum «Hoiho! Hoiho! Hau ein! Hau ein!» des Helden bläst Franz...
Am Ende stehen drei Kreuze: In lichtem Lohengrin’schen A-Dur, der in ihrem doppelten Symbolgehalt – sie steht zugleich für Golgatha und die heilige Trinität – wohl christlichsten aller Tonarten, verkündet der Chor am Ende von Walter Braunfels’ Jeanne d’Arc-Oper den Sieg des Glaubens. Die Befreierin Frankreichs ist zwar auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, doch...
