Schwerter und Blüten

Smetana: Dalibor
Prag | Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Ist Kunst an einen Ort gebunden, oder bemisst sich ihre Qualität gerade daran, ob sie losgelöst von den Bedingungen wirkt, unter denen sie entstand? Auf Bedřich Smetanas dritte Oper «Dalibor» trifft wohl eher Ersteres zu.

Anlässlich der Grundsteinlegung des Prager Nationaltheaters 1868 komponiert und uraufgeführt (das dann 15 Jahre später mit einer weiteren Oper von Smetana, «Libuše», eingeweiht wurde), ist die Geschichte um den mittelalterlichen böhmischen Ritter Dalibor, obwohl sie auf einem aus dem Deutschen (!) übersetzen Libretto beruht, Produkt des erwachenden tschechischen Nationalbewusstseins, des Strebens nach Loslösung von den Habsburgern. Smetana kaschiert das auch gar nicht, lässt Dalibor ganz unverblümt singen: «Ich kenne keinen Tschechen, der die Musik nicht liebte.» Kann so etwas außerhalb Tschechiens funktionieren? Die Oper Frankfurt hat sich im Februar dieses Jahres an dem Stück versucht, szenisch versackte es dort in einem krampfhaft um Aktualität bemühten Einerlei (siehe OW 4/2019).

Wobei zu fragen wäre, was eigentlich der Kern der Geschichte ist. Die politischen Ereignisse – Dalibor, stolz und aufrecht, widersetzt sich einem Befehl des Königs, im Kampf gegen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Borderline-Passion

Ausgerechnet der als Regietheaterschreck in Verruf geratene Tilman Knabe hat mit seiner gesellschaftskritischen Sicht auf Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz» für den späten Saisonhöhepunkt am Nürnberger Staatstheater gesorgt. Dass das begeisterte Publikum nach der Premiere gar nicht aufhören wollte mit dem Applaudieren, hat gute Gründe. Die Musik der 1979...

Unterwegs nach Europa

Das O am Namensende ist kein Schreibfehler. «Antigono» – so heißt ein Libretto von Pietro Metastasio, das erstmals 1743 von Johann Adolph Hasse vertont wurde und eine beachtliche Karriere hinlegte: Wohl mehr als 50 Komponisten brachten ihre eigene Version heraus, darunter Christoph Willibald Gluck. Sein 1756 in Rom uraufgeführter «Antigono» stand im Mittelpunkt...

Aus zweiter Hand

Den Psychothriller des italo-amerikanischen Neoveristen mit dem grotesken Bilderbogen des seriellen Nachkriegsavantgardisten, sprich: Gian Carlo Menottis «The Medium» und Bruno Madernas «Satyricon», zu einem Doppelabend zusammenzuspannen, mochte zunächst irritieren, erwies sich aber als höchst hintersinnige, ja geradezu spannende Konfrontation zweier nur scheinbar...