Schaufenster, Hörbühne, Tango
Wohl stammt die Forderung «Prima la musica» aus den Tagen der neapolitanischen Oper. Doch bei Opern-Recitals scheint sie immer noch en vogue, weil deren Zweck für die jeweiligen Sänger und die Schallplattenfirmen vor allem darin liegt, Stimmen quasi ins Schaufenster zu stellen. Wogegen im Grunde nichts einzuwenden ist – denn natürlich ist Oper Theater für und durch Musik. Allerdings sollte Letztere der dramatischen Idee dienen und quasi die Charaktere erst zum Leben erwecken.
Also geht es auch auf der Hörbühne um das Schaffen von Figuren in dialektischem Bezug zur Musik, um ihre Psychologisierung. Es mag durchaus schwierig sein, dies in der Momentaufnahme einer einzigen Arie auf den Punkt zu bringen, doch gibt es erfreulicherweise Sänger, die auch in dieser Hinsicht nichts unversucht lassen.
Gelegentlich kann freilich eine sehr persönliche Stimmfarbe den Eindruck erwecken, ein Sänger singe alles ziemlich ähnlich – etwa bei Joseph Calleja. «The Maltese Tenor» (so auch der Titel seines neuen Solo-Albums bei Decca) ist ja in sehr frühem Alter ins Rampenlicht getreten und hat nach Informationen seiner Schallplattenfirma ein temporäres «Sabbatical» eingelegt, nicht aus stimmlichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 28
von Gerhard Persché
Die Wolken hängen tief im Mai. So tief, dass sie die Gipfel der steil aufsteigenden Hänge streifen. Die Bäume sind schwer vom feinen Regen, der in Bergen an bis zu 250 Tagen des Jahres niedergeht. Unten am Fjord dampft die Stadt, als wolle sie wenigstens einen Teil der Nässe ausschwitzen. Die Feuchtigkeit sitzt überall – in den engen Höfen der historischen...
Lewis Carrolls «Alice in Wonderland» ist ein Kinderbuchklassiker, der es in sich hat. In einer Reihe von Traumsequenzen führt der Dichter seine Hauptfigur durch absurde Situationen mit merkwürdigen, zwischen Tier- und Menschengestalt schillernden Protagonisten und nimmt dabei spielerisch die rigiden Erziehungsmaßstäbe der viktorianischen Zeit aufs Korn. Die...
Ein Stubenmädchen sei mit einem Schreikrampf aus dem Raum gelaufen, nachdem es des Hausherrn ansichtig wurde, liest man. Unwillkürlich denkt man an Vorfälle jüngst in
einem New Yorker Hotel. Doch das Geschehnis, von dem ein humorvoller Chronist berichtet, ereignete sich in den 1920er Jahren in Glyndebournes legendärem «Organ Room» – während der Aufführung der...
