Tektonische Verschiebungen

Cage & Co.: Die Kunstfestspiele Herrenhausen zwischen Occupy, Tanz, Theater und Performance

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Das berüchtigte Buch über den angeblichen «Kulturinfarkt» war noch längst nicht auf dem Markt, als das Motto der dritten Kunstfestspiele Herrenhausen geradezu visionär mit der Formel «Fragiles Gleichgewicht» festgelegt wurde. Zu dieser programmatisch definierten Zerbrechlichkeit scheint zu passen, dass auch die diesjährige documenta mit dem Motto «Zusammenbruch und Wiederaufbau» einen Titel gewählt hat, der einem Lebensgefühl existenzieller Unsicherheit Ausdruck verleiht.

Keine Frage: Die Verhältnisse sind in Bewegung, und die tektonischen Verschiebungen im Zuge der globalen gesellschaftlichen Umbrüche treffen die Künste keineswegs zuletzt.

Dabei könnte man in Hannover – dem Gerede vom Kulturinfarkt zum Trotz – eigentlich sehr gelassen sein. Denn in Zeiten der Kulturkürzungsdebatten ist hier ein hoch ambitioniertes Festival vor gerade einmal zwei Jahren neu entstanden. Und zwar nicht gegen den Widerstand der Politik, sondern auf deren ausdrücklichen Wunsch. Elisabeth Schweeger, Gründungsintendantin des Festivals, weiß das zu schätzen: «Davor ziehe ich erst einmal meinen Hut. Ich habe das Gefühl, dass die Politik erkannt hat, dass Kultur ein notwendiger Bestandteil des Ganzen ist. ...

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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Regine Müller

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