Vor und nach der Revolution
Kein Wunder, dass der schwärmerische Lenski (etwas ungelenk: Claude Pia) rasend eifersüchtig wird: Freund Onegin und seine Olga (aufgekratzt, mit schönem, leichtem Mezzo: Anne Schuldt) tanzen sich beim Geburtstagsfest Tatjanas in eine Lust an Bewegung hinein, die sie schnell vom 19. ins 20.
Jahrhundert katapultiert und selbst vor Flamenco, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und Rock-‘n’-Roll nicht halt macht!
Brigitte Fassbaenders Inszenierung des «Eugen Onegin» hat noch mehr solche präzise aus Musik und Handlung entwickelten Überraschungsmomente: Wenn in der ersten Szene die Feldarbeiter von unwürdigen Arbeitsbedingungen singen, ist das durch die Blume eine Anklage, die Larina (prägnant: Anne Pellekorne) schnell erstickt, indem sie mit Geldscheinen winkt und prompt heitere Lieder erntet. Die Abfuhr, die Onegin Tatjana erteilt, spiegelt sich am Ende in genau gleicher Körpersprache, wenn Onegin durch Tatjana zurückgewiesen wird: eine verzweifelt lange Umarmung, langsames Zu-Boden-Gleiten, Kauern wie ein Häuflein Elend.
Der junge Lette Janis Apeinis gestaltet mit fein-herbem, intensivem Bariton, perfekter russischer Diktion und natürlich-prägnanter Körpersprache einen weniger blasierten als früh ...
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Die Schreibmaschine ist schön. Weil sie Erinnerungen weckt an eine Zeit, in der Wörter noch gleichsam eingemeißelt wurden. Altes Modell, vielleicht eine Olympia aus den sechziger Jahren. Vor ihr Anna Samuil, in grauer Leinenhose und lindgrüner Bluse, im Schneidersitz, auf dem Boden hin- und herwogend wie ihre Seele. Soll ich? Soll ich nicht? Ja, sie soll. Und man...
Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion...
Die Wiege der Oper steht bekanntlich in Italien. Als Monteverdis «L’Orfeo» am Hof von Mantua über die Bühne ging, florierten Musik, Literatur und bildende Kunst in den Palazzi zwischen Florenz, Rom und Neapel – und befruchteten sich wechselseitig. Schon bald wurde überall in Europa Oper gespielt, und bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte die italienische...
