Ein Versprechen
In der Barockoper dominierten die hohen Stimmen – die schönsten und wirkungsvollsten Arien waren Kastraten und Primadonnen vorbehalten. Weitaus spärlicher sind Tenöre mit exzellenter Musik bedacht worden, noch seltener wurde Bässen diese Gunst zuteil. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Wenn ein Komponist wie Georg Friedrich Händel Gelegenheit hatte, für herausragende Bassisten wie Antonio Montagnana oder Giuseppe Maria Boschi zu schreiben, schuf er auch für diese Stimmgattung Musik höchsten Rangs.
Andrea Mastroni, seit einigen Jahren ständiger Gast auf vielen großen Bühnen der Welt, stellt auf seinem Album mit dem irreführenden Titel «Melancholia» eine Auswahl aus Händels Londoner Opernarien für Bass vor, die ein breites Spektrum vokaler Ausdrucksmittel und einen riesigen Stimmumfang verlangt. Die Arie «Fra l’ombre e gl’orrori», die der junge Händel ursprünglich für die Serenata «Aci, Galatea e Polifemo» komponierte und später in einer im Vokalpart vereinfachten Form in die Oper «Sosarme» übernahm, singt Mastroni in der Urfassung, die einen Ambitus vom tiefen D bis zum eingestrichenen a verlangt. Das vokale Souterrain beherrscht Mastroni mit seinem dunkel timbrierten Organ höchst ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Thomas Seedorf
Natürlich haben die Großen der Musikwissenschaft sein «Ave Maria» verachtet. Was Charles Gounod da mit seiner 1854 veröffentlichten «Méditation sur le célèbre prélude de Bach» gemacht hat, ist purer Kitsch, die Versetzung des Gebets in die Sphäre der Salonmusik, rügt Carl Dahlhaus. Theodor W. Adorno nennt das Stück in seinen «Musikalischen Warenanalysen» gar eine...
Darf ein Countertenor Rossini singen? Die Frage ist so sinnvoll oder so sinnlos wie die nach Bach auf dem Steinway oder – vermutlich hier treffender – die nach Schubert auf dem Cembalo. Natürlich darf er, wenn das künstlerische Resultat überzeugt. Max Emanuel Cenčić überzeugt in den beiden Arien des Malcolm aus Rossinis «La donna del lago», die er schon 2007 auf CD...
JUBILARE
Gwynne Howell stammt aus Wales. Seine Gesangsausbildung absolvierte er am Royal Northern College of Music. Nach seinem Debüt 1968 an der Sadler’s Wells Opera wechselte er 1970 ans Londoner Royal Opera House, wo er nahezu alle großen Basspartien sang und vor allem als Verdi- und Wagnerinterpret gefeiert wurde. Howell war regelmäßiger Gast an der English...
