Don Quichote in mannigfacher Gestalt
Bellezza, verità e vanità – das Schöne, das Wahre und die Ware. Das ist nicht ganz korrekt übersetzt, doch entsprechen einander die kritischen Anzüglichkeiten. Ist es ein Sprachscherz des Hegel’schen Weltgeistes über die Mentalität der Völker? Die Wortspiele, die der klassischen Dreiheit vom Schönen, Wahren und Guten ans Leder gehen, zielen bei den Teutonen auf den Warencharakter der Kunst. Dagegen rückt der Klang des Italienischen und Lateinischen die in Frage gestellte Wahrheit, die veritas, phonetisch in die Nachbarschaft der vanitas, der Eitelkeit (und Vergänglichkeit).
Mit dem verzwickten und widersprüchlichen Ineinander von Schönheit und Wahrheit, mit der Utopie, der Warenhaftigkeit und Verdinglichung sowie mit der politischen Utopie einer gerechteren Welt hat sich Hans Werner Henze nicht nur in seiner Musik ein nun achtzig Jahre währendes, erfülltes Leben lang herumgeschlagen: per definitionem ein Don Quichote.
Eine zweite Metapher ist unabweisbar. Henze ist, wie andere Große vor ihm, etwa der von ihm sehr verehrte Strawinsky, ein Proteus der Musik. Er bleibt sich selbst immer treu, wandelte sich aber ständig, verblüffte Bewunderer wie Gegner, trägt die inneren ...
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