Harte Bandagen
Gioachino Rossinis schnelle Koloraturen und jähe Sprünge verlangen agile, bewegliche Stimmen. Man könnte auch sagen: sportliche.
Hat deshalb die Regisseurin Mariame Clément an der Opera Vlaanderen in Gent das «Armida»-Geschehen von den Toren Jerusalems zur Zeit der Kreuzritter in ein Sportstadion der Jetztzeit verlegt? Oder legte die Übermacht des männlichen Personals die Idee nahe, die mittelalterliche Kriegerwelt in Profi-Sport zu übersetzen? Neben sechs (!) Tenören und dem Männerchor sieht die Partitur nur kurze Auftritte eines Frauenchors und eine einzige weibliche Solopartie vor.
Bühnenbildnerin Julia Hansen hat einen neutralen grauen Kasten auf die Bühne gebaut, auf dem Boden hat man Laufbahnen markiert, auf das Rückprospekt ein gigantisches Stadion gemalt. Goffredo, der Anführer der Kreuzritter, tritt als moderner Sportfunktionär auf und motiviert vom Rednerpult aus seine Mannen. Die aber stolpern verletzt und in mittelalterlicher Kreuzritterkluft herein, während Rinaldo wenigstens das Theaterblut erspart bleibt. Armida erscheint zunächst in orientalischem Gewand, darunter pellt sich ein mondänes pinkfarbenes Satinkleid hervor, die weiteren, häufigen Kostümwechsel sind dann ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....
Zunehmende Lebenserfahrung kann die Menschen ja in zwei Richtungen lenken: Die einen werden verbissen, die anderen altersmilde. Jürgen Flimm gehört zur zweiten Kategorie. Bewundernswert, mit welcher Gelassenheit er sein Amt als Berliner Staatsopernintendant ausfüllt, als Nummer 2 hinter seinem allmächtigen Musikchef Daniel Barenboim. Was seine Nachfolge betrifft,...
Der Mensch liebt es anscheinend, sich zu schinden. Etwa jeden Oktober auf der Hauptinsel von Hawaii beim «Ironman» – 3,86 km Schwimmen, 180 km auf dem Rad sowie die traditionelle Marathon-Distanz von 42,2 Kilometern (die «Eisenmänner» der letzten beide Jahre waren übrigens Deutsche). Ob es Barrie Kosky 2012 mit dem Monteverdi-Triathlon zu Beginn seiner Ära an der...
