Editorial
Eine gute, selbst eine gut ausgebildete Stimme macht noch keine Karriere. Heute weniger denn je. Wer auf dem globalen Klassikmarkt wahrgenommen werden will, muss eine Nase fürs Business, für Marketing und PR haben. Er muss bereit sein, sich als Produkt zu vermarkten und vermarkten zu lassen. Das Image, das visuelle Profil wird dabei zum entscheidenden Faktor: Zum Darling der Massenmedien avanciert nur, wer sich deren Regeln unterwirft.
Der «Star»-Rummel um Cecilia Bartoli, Elina Garança oder Anna Netrebko wäre undenkbar, wenn die Damen perfekt gestylte öffentliche Selbstdarstellung verweigerten. Über stimmliche Vorzüge, Bühnenpräsenz oder interpretatorisches Charisma sagen die elegant polierten Gesichter natürlich nichts aus. Nur: Wenn einem die Werbefotos überall entgegenlächeln, entsteht irgendwann ganz von selbst der Eindruck, dass es sich um die Besten der Besten handeln müsse. Viele Plattenläden machen auch gar keinen Versuch, gegenzusteuern: Genauso, wie einzelne Sänger von den Firmen herausgepickt und plötzlich zum Star gehypt werden, so finden sich ihre CDs, Poster und DVDs in den Sonderregalen. Suggeriert wird: Wer in Sachen PR andere schlägt, der schlägt sie auch in ...
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Vielleicht wäre Gustavo Dudamel für «Don Giovanni» doch die bessere Wahl gewesen. Vielleicht hätte der 23-jährige Venezolaner mit seinem jugendlichen Feuer die vertrackte Oper aller Opern zum Knistern gebracht – wie im Oktober vorletzten Jahres in Mailand (siehe OW 12/2006). Vielleicht hätte er sich auch am Pult der Berliner Staatsoper wieder von Mozarts...
Die Zuversicht des Komponisten, vor ein paar Jahren im Gespräch geäußert (OW 6/2005), hat sich längst in eine große Frage verwandelt, zumal nach dem Tod Karlheinz Stockhausens am 5. Dezember 2007. Wo wäre der «Abenteurergeist» zu finden, der sein Musiktheater «Licht» in die Realität befördert? Da harrt ein Bühnenwerk seiner szenischen «Erlösung», das voluminöser...
Harfenumrauscht und von Blechbläserchören vergoldet, ziert Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» auch in Amerika immer wieder den weihnachtlichen Gabentisch der Opernhäuser. In einem solch gottesfürchtigen Land könnte schließlich nichts besser auf das Fest einstimmen als die finale Versicherung, dass Gott der Herr die Hand uns reicht, wenn die Not aufs...
