Licht, List und Zärtlichkeit

Neue Schumann-Alben mit Elisabeth Kulman und Sebastian Noack

Opernwelt - Logo

«Seit ich ihn gesehen ...»: Ein Frauenleben in neues Licht, neue Farben getaucht. Schwärmerische Gefühle einer demütig dem Manne hingegebenen Frau, beschrieben aus der Perspektive eines Mannes – des Dichters Adelbert von Chamisso. Seine Verse sind, wie man in Zeiten von Neofeminismus und Gender-Debatten sagen würde, politically incorrect; widerspruchsfrei ist das wohl nicht mehr hinnehmbar. Lange habe sie denn auch «Nein» zu diesem Zyklus gesagt, erklärt die Mezzosopranistin Elisabeth Kulman im Booklet ihres Albums «Frauen. Leben. Liebe».

Dann habe die Kraft der Schumann’schen Vetonung sie doch in den Bann gezogen, wobei über ihrer Interpretation ein Schleier feiner Ironie zu liegen scheint. Er hebt sich bei der Schilderung des Mutterglücks. Und die d-Moll-Klage über den Tod des Gatten, «Nun hast du mir den ersten Schmerz getan», greift in der unpathetischen Schlichtheit der Interpretation Kulmans und ihres Klavierbegleiters Eduard Kutrowatz ans Herz.

Jelissaweta Borissowna Kulman(n), 1808 in Sankt Petersburg geboren und dort 1825 gestorben, russisch-deutsche Namenscousine der Sängerin, war eine Frühvollendete. «Ein wunderbegabtes Wesen, wie sie nur selten, nach langen Zeiträumen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Existenzielles Hören

Vielleicht hört den inneren Klang der Sprache und das Sprechen des Klangs besonders klar, wer alle Gewissheiten verloren hat. Wer sich der Leere einer selbstgewählten Aphasie aussetzt, Halt im Flugsand sucht. Wer das Nichts, die Stille als Resonanzraum wiederentdeckt. Und so Laute, Silben, Wörter, Geräusche, Töne, Melodien, Harmonien: die Grundstoffe jeder...

Ganze Arbeit

Zunächst einmal: Diese «Lucia» ist so vollständig wie möglich. Kirill Petrenko lässt sich von keiner sogenannten Tradition irritieren, die mit dem Notentext so leichtfertig umspringt, als hätte Donizetti dramaturgische Nachhilfe nötig. Striche gibt es also nicht. Das Stück wird dadurch klarer und wirkt – trotz der längeren Spieldauer – kürzer als bei vielen...

Fragmente der Verzweiflung

Wie man aus einer wahren Begebenheit ein tragfähiges Musiktheaterstück formen kann, hat jüngst der britische Komponist Joby Talbot (*1971) mit seinem Opernerstling «Everest» gezeigt. Thematisch fühlt man sich erinnert an Christian Josts’ «Angst» (2005): Talbots siebzigminütiges Werk, kürzlich an der Dallas Opera zur Uraufführung gelangt (in Kombination mit dem...