Entdeckerfreuden
Es wird wohl das Spielzeit-Motto gewesen sein, das die Leitung des Trierer Theaters dazu bewegte, die deutsche Erstaufführung der Philip Glass-Oper «The Voyage» an Land zu ziehen. «welt.eroberung» lautete das Leitmotiv der zu Ende gehenden Saison an der Mosel, und dazu schien die Glass-Menagerie aus gestrandeten Astronauten, zweifelnden Wissenschaftlern und dem berühmtesten aller Entdecker, Christoph Columbus, genau die richtige Begleitmusik zu liefern.
Die Rechnung geht anfangs durchaus auf: Die Regisseurin und gelernte Choreografin Birgit Scherzer füllt die Lücken im Handlungsgerüst mit bildmächtigen Ballett- und Chorszenen und haucht so den vier miteinander verwobenen Entdecker-Geschichten das nötige Bühnen-Leben ein. Im Prolog schwebt ein Wissenschaftler im Rollstuhl hoch über der Bühne und formuliert den ewigen Widerspruch zwischen dem Bedürfnis des Menschen, neue Horizonte zu erforschen, und den damit verbundenen Gefahren und Risiken – derweil im Hintergrund die Ursuppe in Gestalt des agilen Chors brodelt.
Im ersten Akt entwickelt der Abend bemerkenswerte Faszination. Die Bruchlandung eines Raumschiffs auf der Erde, die Begegnung der Astronauten (Evelyn Czesla, Svetislav ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Dieter Lintz
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Das Fest blieb bei den Berliner Festtagen aus. Auch musikalisch. Das Programmheft druckte eine undatierte Erinnerung ab, in der Julius Kapp, Dramaturg der Berliner Uraufführung 1925, darlegt, dass sich «die Wozzeck-Partitur (...) häufig zur Sechs- und Siebenstimmigkeit entwickelt». Davon hörte man in der 12. Reihe des Schiller Theaters meist nur eine bis zwei...
Auf dieses Ereignis hatte man (nicht nur) in Russland lange gewartet – eine Aufführung von Alexander Borodins «Fürst Igor» in einer Version, die auf alle späteren Retuschen und Ergänzungen verzichtet. Das Stück ist seit seiner Uraufführung 1890 in der Bearbeitung von Nikolaj Rimsky-Korsakow und Alexander Glasunow bekannt. Die von Borodin intendierte Urfassung des...
