Schönster Verzweiflungsgesang
Klaus Bachler lud, wen wundert’s, zum Auftakt seiner Münchner Intendanz gleich drei Sprechtheater-Regisseure ein, sich an der Oper zu versuchen. Einmal ging das gut (beim «Wozzeck» von Andreas Kriegenburg), einmal gründlich daneben (Christian Stückls knallbunte Sicht auf Pfitzners «Palestrina»). Jetzt durfte die Schweizerin Barbara Frey Janáceks «Jenufa» in Szene setzen. Sie ist eine behutsame Deuterin, der es nicht auf vordergründige Provokationen ankommt. Ihre Schauspielarbeiten leben in der Regel von klaren Bildern und präzisen Strukturen.
Was bei Horváth oder Tschechow gut funktioniert, eignet sich jedoch nicht notwendigerweise für Janácek.
«Jenufa» führt in ein kleinbürgerlich-erzkatholisches Milieu im Mähren des 19. Jahrhunderts. Die Männer sind Machos und sehen ihren Lebenssinn im Alkohol, die Frauen hüten Herd und Kinder. Jenufa trifft ein besonders hartes Schicksal; sie steht zwischen den Halbbrüdern Steva und Laca und hat ein uneheliches Kind. Ihre Stiefmutter tötet dieses Mal der Schande und erzählt der fiebernden Jenufa von einem angeblichen Unglück. Am Ende kommt alles ans Licht, Jenufa verliert ihre Ersatzmutter und hofft – zaghaft – auf eine Zukunft mit Laca, der zu ...
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In Schauspiel und Film kommen die Heroen der Kompositionsgeschichte prima an, besonders wenn sie von Heroen verkörpert werden. Richard Burton als monomanischer Richard Wagner; Peter Ustinov als verzottelter Beethoven; Martin Held und Ernst Schröder als Bach und Händel, fiktiv sich treffend und verbal sich duellierend: Das alles hat die großen Meister posthum wenig...
Übersichtliches Personal, bekannter Stoff, erprobtes Drama: Man könnte glatt meinen, Alban Bergs «Wozzeck» sei eine für Schauspielregisseure bestens geeignete Oper. Also auch für den Mainzer Intendanten Matthias Fontheim. Sollten ihm die starken Emotionen und schnellen Entwicklungen des Stücks nicht eher liegen als «Der Rosenkavalier», an dem er letztlich...
Bei der Wahl seiner Gastsänger hatte das Würzburger Theater eine glückliche Hand. Der aus Irland stammende Paul McNamara lieferte ein überzeugendes Rollendebüt als Tannhäuser. Zu Recht gefeiert wurden bei der Premiere auch Heiko Trinsinger als ein Wolfram mit Gesangskultur und Durchschlagskraft, Stephan Klemm als souveräner Landgraf (er hat hörbar an Volumen und...
