Ein Liebender
Natürlich war Sir Colin Davis der Inbegriff eines gut aussehenden, kauzigen, gelassenen, dennoch willensstarken Gentleman. Weil er das wusste, winkte er ab: «Ich bin kein Gentleman. Ein Gentleman arbeitet nicht.» Gearbeitet hat er viel, allerdings führte das weder zu Schreien oder Schweißausbrüchen noch zu Zynismus am Pult. All das hatte er nicht nötig, denn er kannte das Dirigierhandwerk von der Pike auf. Begonnen hat er als Autodidakt, weil ihn die Royal Academy of Music nicht in die Dirigierklasse ließ: Er konnte nicht gut genug Klavier spielen, sein Instrument war die Klarinette.
Er begann als Assistent in Glasgow, durfte für Otto Klemperer und Thomas Beecham einspringen, an Covent Garden Ballette dirigieren. An der Sadler’s Wells Opera und beim BBC Symphony Orchestra komplettierte er seine Erfahrungen, wurde schließlich von 1971-1986 Musikchef von Covent Garden. Dort huldigte er nicht nur seinem Abgott Mozart, sondern stellte auch die dreiaktige Fassung von Bergs «Lulu» und vieles von Tippett vor und dirigierte den «Ring» in der Inszenierung von Götz Friedrich. Sein «Peter Grimes» mit Jon Vickers ist Legende.
Als er 1977 und 1978 bei den Bayreuther Festspielen den «Tannhäuser» ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Stephan Mösch
Nachdem Guy Cassiers kürzlich im Berliner Staatsopern-«Ring» einen Bewegungschor einsetzte, tut die englische Choreografin Rosamund Gilmore in Leipzig nun beim «Rheingold» das Gleiche. «Mythische Elemente» nennt sie zwölf Damen und Herren in elastischen Ganzkörperkostümen, wie man sie aus Avantgarde-Balletten der 50er- bis 70er-Jahre kennt. Zur Weltentstehungsmusik...
Der erste heiße Mainachmittag. Auch wir drohen (ganz kurz nur! ehrlich!) der Versuchung zu erliegen, uns gegen die Französische Revolution zu entscheiden. Für das italienische Eis. Aber ein paar haben es doch ins Mittelsächsische Theater, Zweigstelle Döbeln, geschafft: Die Reihe vor uns etwa hat ein Zwölferrat aus älteren Damen komplett beschlagnahmt, angerückt, um...
Natürlich drehte sich wieder alles um ihn. Um den Tenorissimo a. D., der auf seine alten Tage mit aller Macht ins Bariton-Fach drängt. Schon zu Beginn der Neunzigerjahre hatte Plácido Domingo zum ersten Mal tieferes Terrain erkundet – im Tonstudio, als Rossinis Figaro für die DG-Aufnahme des «Barbiere». Im November 2007 folgte an der Met Glucks Orest, zwei Jahre...
