Mensch, Tier, Zeichen, Ding
Wenn einer in biblischem Alter noch staunen kann wie ein Kind und wenn er, mehr noch, andere mit der elementaren Kraft dieses Staunens anzustecken, mitzureißen, zu verzaubern versteht, dann ist man versucht, von einer genialen Gabe zu sprechen. Achim Freyer, der große Maler und Spieler, Sinnsucher und Rätselmann, ein Magier des Theaters, der mit fast jeder seiner Arbeiten für die Opernbühne ein wundersam offenes Kunstwerk schuf, das alle Deutungsversuche überschießt, hat sich diese Gabe auch im 78. Lebensjahr bewahrt.
Es müssen kosmische Blitze sein, die Freyers vitale Schöpferkraft immer wieder elektrisieren. Die hohen Gagen, die er fordern kann, um sein Ensemble und jene Gründerzeitvilla in Berlin-Lichterfelde zu finanzieren, die ihm als Rückzugs- wie Arbeitsstätte dient und die er eines Tages als Privatmuseum zugänglich machen möchte, dürften den geringsten Anteil an der Befeuerung seines kreativen Furors haben – Geld ist Mittel zum Zweck, die Voraussetzung dafür, dass er den ewig bohrenden Fragen nach dem Woher, Wohin und Warum der Schöpfung nachgehen kann. In mächtigen, archaischen, traumverlorenen Bildern, die uns auf geheimnisvolle Weise die Sinne öffnen und das Denken ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Vielleicht Wotans Abschied? Doch das, so dachte er sich im jugendlichen Vorwitz nach einem Blick in den Klavierauszug, kann niemand spielen. Dann lieber die Standards. «O Isis und Osiris» und ein Schubert-Lied, dies dummerweise im gedeckten, profunden Sound des Vorbildes. «Herr Groissböck», tönte es da aus dem Dunkel, «welchen Lieblingssänger haben Sie denn?» «Kurt...
Seit ihrer Geburt im frühen 17. Jahrhundert hat die Kunstform Oper die Geister Italiens gespalten. Jahrhundertelang hatte man sich für sie buchstäblich entschuldigen müssen – gegenüber dem intellektuellen Bildungsbürgertum, das es vorzog, sich für die Wiederbelebung des «echten» griechischen Dramas einzusetzen, ebenso wie gegenüber Vertretern von Kirche und Staat,...
Wenigstens Serge Dorny war irgendwann beruhigt. Schließlich konnte der Intendant der Oper Lyon das unter «Erledigtes» abheften, was andere so heiß ersehnen: einen Vertrag mit der Unterschrift von Kirill Petrenko. Den beiden Bayreuther Schwestern fehlt nämlich weiterhin das Jawort des Dirigenten (was den «Ring» anno 2013 zur brandgefährlichen Hängepartie macht). Und...
