Verdi: Otello
Musikalisch würde Münsters neuer «Otello» jedem größeren Theater zur Ehre gereichen. Lance Ryan überzeugte bei seinem Deutschland-Debüt mit schlanker, hell timbrierter Stimme, die auch in den gefürchteten exponierten Höhen der Titelpartie über die nötige heldische Durchschlagskraft verfügt. Nur die Deklamatopassagen – etwa beim physischen Zusammenbruch Otellos im dritten Akt, in dem Ryan sich in aufgesetzte Schluchzer rettete – besitzen noch nicht genügend dramatische Substanz.
Jaco Venter war ein stimmlich ungemein sicherer, allerdings in der Artikulation des Textes oft etwas farbloser Jago. Rundum überzeugend Sabine Ritterbuschs Desdemona, die dem Gesang des schuldlosen Opfers – wie von Verdi gewünscht – tonschön und mit makelloser Phrasierung die nötige Empfindungstiefe gab. Am Pult sorgte Münsters GMD Rainer Mühlbach, trotz eines rabenschwarzen Abends der Streicher, für großbögigen Zusammenhalt und Spannung, wenn auch der letzte Biss fehlte. Szenisch war längst nicht alles so im Lot. Peter Beat Wyrsch fokussiert die Geschichte von der (Selbst)-Demontage des Helden als Kammerspiel. Dass dies nicht aufgeht, liegt nicht zuletzt an Boito und Verdi, bei denen sich das Drama eben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Demokratischer als zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Teatro «G. B. Pergolesi» in Jesi in der Adria-Region Marken hätte es in einem Opernhaus nicht zugehen können. Wann bietet sich Premierenbesuchern sonst die Möglichkeit, selbst darüber zu befinden, welche Ouvertüre den Auftakt zum Abend geben sollte? Kurz vor Beginn durften die Zuschauer das Stück ihrer...
Ein Gespenst geht um in der Opernszene. Es hört auf einen alten Begriff, den es verzerrt: Aktualität. Als sich Calixto Bieito kürzlich in Berlin an «Madame Butterfly» vergriff, verlegte er die Handlung in ein Etablissement für Sextourismus. Die Aufführung zu rezensieren, lohnt sich nicht, da sie nur ein weiteres Beispiel für die Guinness-Buch-verdächtige Fähigkeit...
Gleich am ersten Abend gibt es ein farbiges, lebendiges Kontrastprogramm: Nach dem «Don Quixote» von Richard Strauss, einigen abenteuerlich ineinanderfließenden Szenen aus dem «Rosenkavalier», mit dem die Finnische Nationaloper Helsinki in der Turun Konsert-titalo gastiert (Ritva-Liisa Korhonen singt die Marschallin, Lilli Paasikivi ist Oktavian, und Tiina...
