Fort mit dem Plunder
Vom Finale der «Ariadne»-Oper hatte Hugo von Hofmannsthal klare Vorstellungen – als «wahrhaftiges Geheimnis» wollte er die Vereinigung Ariadnes mit Bacchus auf der Bühne sehen. Mit dem Eintritt des Gottes in die von Zerbinettas Commedia-Truppe immer wieder aufgemischte Tragödienwelt der kretischen Königstochter müssten alle «puppenhaften Kulissen verschwunden sein», der Guckkasten müsse «ins Unbegrenzte wachsen».
Der Salon im Hause des reichsten Mannes von Wien, fiktiver Schauplatz des allegorisch-parodistischen Pasticcios diverser Stile und Modi des Musiktheaters, würde sich auftun und einen sternfunkelnden Himmel freigeben. Nichts dürfe «vom ‹Spiel im Spiel› mehr zu ahnen sein», schrieb Hofmannsthal 1912, im Uraufführungsjahr der (erfolglosen) ersten Fassung, an Richard Strauss. Gäste, Lakaien, Hofmeister – die ganze «Festveranstaltung» müsse «fort und vergessen» sein. Dem Zuhörer solle die Bedeutung des Vorgangs schlagartig bewusst werden: die Erfahrung reiner Transzendenz. «Nichts gilt, was hier gegolten hat», singt Ariadne kurz vor der Erlösung – Hofmannsthal spricht lieber (gegen Wagner) von «Verwandlung».
Für die Regisseurin Lydia Steier ist dieses «Hinüber» der Schlüssel ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Albrecht Thiemann
Rimsky-Korsakows «Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch» ist eine Art Testament. Insofern liegt der Vergleich mit Wagners «Parsifal» nahe, der aber in die Irre führt. Außer ein paar feierlich-liturgischen Szenen haben die beiden Werke wenig gemeinsam. Eher wäre «Kitesch» mit «Aus einem Totenhaus» zu vergleichen, einem anderen künstlerischen Testament. Janáceks...
Kein deutscher Komponist des 20. Jahrhunderts ist in den Konzertsälen und Opernhäusern so präsent wie Richard Strauss. Vom «Don Juan» bis zur «Alpensinfonie», von «Salome» bis zu «Capriccio» – die Popularität seines Œuvres ist ungebrochen. Selbst die frühen Arbeiten für die Bühne, «Guntram» und «Feuersnot», werden gelegentlich aufgeführt, ebenso die...
Wäre doch schön gewesen. Ein «Tannhäuser» aus dem Geist des Tanzes. Einer, der die Brüche des Werks auflöst in Bewegung, den Venusberg in Körperlogik, die mittelalterlichen Wurzeln in ein modernes Darstellungsformat, die Dualismen in einen subjektkritischen Denkhorizont. Der Sängerkrieg als Performance-Kunst. Nach allem, was Sasha Waltz bisher gemacht hat, wäre...
