Glück und Mühen der Ebene
Hier oben hat er einen großartigen Blick über Düsseldorf. Von der neu gestalteten Terrasse im sechsten Stock des Opernhauses schaut man über Dächer und Kirchen – unten pulsiert das Leben, oben fegt der Wind. Tobias Richter steht hier oben aber nur ungern, er ist ein Mann des Inneren, des unmerklichen Machens und Lenkens, er ist der Anti-Typ des schneidigen, im feinen Zwirn repräsentierenden Kulturmanagers. Das sieht man stets auf fast rührende Weise, wenn er bei Premieren vor den Vorhang tritt und eine halskranke Sängerin ansagen muss.
Dann zieht er sein blaues, etwas ältliches Dienst-Sakko an, und dieses Sakko sagt unabweisbar: Dieser Mann arbeitet hier, er kommt nicht im Smoking, er trennt sich nicht von der Produktion der Kunst und tritt noch weniger auf die Seite der Genießer. Tobias Richter, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein (DOR), ist in den 13 Jahren seiner Amtszeit ein Prinzipal geblieben, der dem Glamour misstraute. Wie er überhaupt im Rheinland nie so ganz heimisch geworden ist.
Als er 1996 aus Bremen kam, glaubte er, irgendwo zwischen den beiden Arbeitsstätten Düsseldorf und Duisburg wohnen zu müssen – und zog in den blassen Vorort Ratingen. «Das war eine ...
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Der Geduldige
(von Anja Silja)
Die Arbeit mit Kirill Petrenko war für mich eine wunderbare Erfahrung und Entdeckung. Ich bewundere ihn sehr. In all den Jahren meiner Karriere, die bekanntlich schon eine Weile dauert, bin ich kaum einem Dirigenten begegnet, der mit so viel persönlicher Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit so viel gnadenlose Genauigkeit verlangt von...
Manchmal hilft es, wenn man sich der Hauptsache auf Nebenwegen nähert. Die Hauptsache ist: Wieder einmal hat René Jacobs aus Sicht der «Opernwelt»-Kritiker Maßstäbe gesetzt – diesmal mit einer Aufnahme des «Idomeneo», die eine vollständige Rekonstruktion der von Mozart für die Münchner Uraufführung 1781 geschriebenen, während der Proben jedoch (vor allem im dritten...
Wer hat die erfolgreichste Oper aller Zeiten geschrieben? Klar, Mozart mit der «Zauberflöte». War ja schon immer so. Auch in der aktuellen Statistik des Deutschen Bühnenvereins rangieren Pamina, Tamino & Co. wieder vorn. 40 Inszenierungen, 453 Aufführungen, 289 964 Besucher – von solchen Quoten können Mimì und Rodolfo, die Zweitplatzierten, nur träumen. Hat es zur...
