Eklektizismus nach dem Lustprinzip
Pierre Boulez bezeichnete einmal die Vertonung von Gedichten als «Lektüre mit Musik». Das war durchaus polemisch gemeint, und dahinter steckte eine Frage: Wen interessiert es überhaupt, wenn ein Komponist seine Klänge über einen Text gießt, der ohnedies vollendet ist und seine eigene Wort-Musik macht? Zwischen Kopie, Verfälschung und Innovation sind da viele «Lektüre-Ergebnisse» möglich; das Gleiche gilt für die Vertonung von Schauspielen. Sie gelingen meist dann, wenn sich die Musik selbst behauptet, wie bei Strauss’ «Salome» oder Bergs «Wozzeck».
Auch die Musik des als britisches Junggenie hoch gehandelten Thomas Adès kann sich behaupten, was angesichts des «Sturm» einiges heißt. Sie behauptet sich nicht gegen Shakespeare, sondern quasi neben ihm: Da, wo Adès sich wenig um eine Ikone schert, sondern frech seine Klangassoziationen ausspielt, bleibt das Stück im Gedächtnis. Dazu gehört das aberwitzig schwere Lamento des Ariel, das Adès der aberwitzig virtuosen Koloratursopranistin Cyndia Sieden in die Kehle geschrieben hat: ein quasi akkordischer Satz, choralartig in sich ruhend auf gläsernen Klängen, durchzuckt von riesigen Intervallsprüngen. Überhaupt sind Lamenti eine Stärke des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nach dem Festival kamen die Abrissbagger. Das Theatre Royal, das fünfundfünfzig Jahre lang das Opernfestival von Wexford beherbergt hatte, ist nicht mehr. Für das Festival selbst und für das irische Opernleben insgesamt sollen jedoch große Zeiten anbrechen: Anstelle des ausgedienten alten Theaters wird ein neues, modernes Opernhaus gebaut, das erste seiner Art...
Dass Bizets Carmen uns nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf der Kinoleinwand begegnet, ist wahrlich kein neues Phänomen. Schon 1954 hatte Otto Preminger den Stoff für einen abendfüllenden Spielfilm mit Dorothy Dandridge in der Titelrolle und dem jungen Harry Belafonte als Don José adaptiert. Von den Armenvierteln Sevillas um 1820 verlegte Preminger die...
Seit 1997 liegen die musikalischen Geschicke des Bologneser Theaters in mittlerweile weltweit gerühmten Dirigentenhänden. Daniele Gatti, Musikdirektor des Hauses, in Mailand geboren und dort am «Giuseppe Verdi»-Konservatorium in Komposition, Orchesterleitung, Klavier und Violine ausgebildet, zählt heute zu den meistgefragten Taktstockvirtuosen der mittleren...
