Das Orchester spricht
Über den Ansatz, der ihn bei seinem «Wozzeck» leitete, gab Alban Berg in einem 1928 erschienenen Aufsatz präzise Auskunft: «Die Musik so zu gestalten, (…) dass sie alles, was dieses Drama zur Umsetzung in die Wirklichkeit der Bretter bedarf, aus sich allein herausholt, damit schon vom Komponisten alle wesentlichen Aufgaben eines Regisseurs fordernd.
» Damit ist implizit das Kräfteverhältnis zwischen Szene und Orchestergraben angesprochen und jenes Problem, das sich jeder Aufführung stellt: Gerade weil Orchester das Stück heute quasi aus dem Effeff spielen können und damit die Stringenz des musikalischen Ablaufs umso deutlicher hervortritt, droht die Szene zum bloßen Anhängsel zu werden. Anders gesagt: Weil die Dramatik des «Wozzeck» so punktgenau von der musikalischen Form bestimmt wird, bleibt einer Regie kaum etwas anderes übrig, als Dekor zu einem Geschehen zu liefern, das aus dem Orchestergraben bestimmt wird. Das legen jedenfalls viele «Wozzeck»-Versionen der letzten Jahre nahe: Sie erschöpften sich meist darin, die Tragödie im Heute anzudocken.
Guy Joostens Arbeit an der Vlaamse Opera reiht sich da ein: Wozzeck vegetiert als Underdog unter
einem Autobahnzubringer und muss ...
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