Rohe Energie
Entdeckungen sind bei einem Komponisten wie Giacomo Puccini kaum mehr zu machen. Auch ein Frühwerk wie «Edgar» ist, wenngleich kein Repertoireknüller, leidlich bekannt, in Aufnahmen dokumentiert. In seiner dreiaktigen Gestalt. Doch die ist nicht das, was Puccini ursprünglich zu Papier gebracht hatte.
Was, wenn «Edgar» nicht seine zweite Oper gewesen, sondern nach seinen Erfolgsstücken herausgekommen wäre? Hätte die Oper ihre Originalform behalten? Gefeiert als neuer Wurf eines Starkomponisten? Tatsache ist, dass die Urfassung von 1889 nach drei Vorstellungen an der Mailänder Scala in der Versenkung verschwand. Puccini schraubte emsig an dem Werk herum, eliminierte den vierten Akt, hatte schließlich im vierten Anlauf Erfolg – 1905 in Buenos Aires.
Warum erst dann, fragt man sich nach der Premiere am Theater Regensburg. Zum ersten Mal wird hier das «Original» in Deutschland szenisch aufgeführt. Erst 2008 wurde es wiederentdeckt, kam dann in Turin heraus, in Dortmund konzertant. Man ahnt vieles, was erst später zu eigenständiger Form fand. Ein Vorwurf nach der Mailänder Uraufführung lautete: zu eklektizistisch. Niemand kam damals auf die Idee, dass das Rohe nicht fremden Vorbildern ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Egbert Tholl
In der Gewohnheit ruhe das Behagen, fand Goethe. Damiano Michieletto kann dem Dichterfürsten in dieser Hinsicht wohl wenig abgewinnen; seine Inszenierungen suchen das Andere, Ungewohnte. So ließ er Puccinis «La Bohème» bei den Salzburger Festspielen teilweise in einem vermüllten Matratzenlager spielen, verortete Verdis «Falstaff» an gleichem Orte in der Mailänder...
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JUBILARE
Gwynne Howell stammt aus Wales. Seine Gesangsausbildung absolvierte er am Royal Northern College of Music. Nach seinem Debüt 1968 an der Sadler’s Wells Opera wechselte er 1970 ans Londoner Royal Opera House, wo er nahezu alle großen Basspartien sang und vor allem als Verdi- und Wagnerinterpret gefeiert wurde. Howell war regelmäßiger Gast an der English...
