Körperlos durch den Orkus

Shibuya: The End Amsterdam / Holland Festival

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Der Himmel ist blau, Möwen ziehen schräg durchs Blickfeld, eine Frühsommerbrise weht über das Ij, die Binnenalster von Amsterdam. Du liegst am Kai in einem blendend weißen Bett, neben dir eine sommersprossige Schöne, die dir Geschichten ins Ohr raunt ‒ von Kindern, die nachts aufwachen und ihre Eltern suchen, von der Hoffnung auf Glück und der notwendigen Enttäuschung. Und während du noch darüber nachdenkst, ob du selbst gemeint sein könntest, ist deine Zeit um, und der Nächste wartet auf seine Geschichte.



In Amsterdam, beim Holland Festival, ist auch das Bettgeflüster ein Kunstakt ‒ auf einer Hafenpier, in der U-Bahn oder mitten auf dem belebten Dam vor dem Königsschloss. Der argentinische Theatermacher Fernando Rubio legt uns in seiner Aktion «Todo lo que está a mi lado» (Alles an meiner Seite) zu Schauspielerinnen ins Bett. Und überhaupt erheben bei der 68. Ausgabe des Holland Festivals, das erstmals von einer Frau, der Schottin Ruth Mackenzie, geleitet wird, die Frauen vernehmlich ihre Stimme: als Verführerin wider Willen wie in Alban Bergs «Lulu» in der Inszenierung von William Kentridge (siehe OW 7/2015), als knallharte Geschäftsfrau aus China wie in Arnoud Noordegraafs neuer ...

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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Michael Struck-Schloen

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