Kleiner Mann, was nun?
Sowohl Claus Guth (in Hamburg) als auch Anselm Weber (in Essen) standen vor dem nahezu unlösbaren Problem, etwas Eigenes zum Thema «Siegfried» zu (er)finden. Mit Hilfe ihrer Bühnen- und Kostümbildner dekorierten sie das Ganze einfach um, wobei die «neuen» Schaufenster nicht viel anders ausschauten als viele alte zuvor. Claus Guth wollte die Geschichte wohl als eine Art Initiationsritus zeigen: von der Tumbheit über die Unstäte zur sexuellen Befreiung. Zunächst tummeln sich Siegfried und Mime wie halbstarke Knaben in einer bunkerähnlichen Garage.
Knäbische Fantasien beflügeln die Aktionen. Die Schwertstücke werden auf einer Waschmaschine zerstäubt, in einer Montagegrube wird mittels Benzin das Schmiedefeuer entzündet und mit Möbelteilen beheizt. Am Ende wirft Siegfried seine Spielzeugpuppe hinein, die er bis dahin immer wieder heftig an die Brust gedrückt hatte. Wotan-Wanderer schaut besorgt herein wie der Hausmeister von nebenan. Alles schön menschlich: Kleiner Mann, was nun?
Im zweiten Akt blickt man auf ein weites Zimmerrund mit einem großen Fensterausschnitt, der wie ein Wintergarten mit Pflanzendickicht gefüllt ist. Den dumpf dröhnenden Drachen sieht man nicht, aber der ...
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«Über die Musik will ich Ihnen nichts sagen; Sie kennen sie. Wovon Sie aber keine Vorstellung haben können, ist das schreckliche Geschrei, das anhaltende Brüllen, welches das ganze Stück hindurch von der Bühne schallt», berichtete der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) über einen Opernbesuch (ohne damit speziell Tenöre zu meinen). Gioacchino Rossini...
Wenn die Wirtschaft in Nöten steckt, muss auch ein Impresario Abstriche machen. An der San Francisco Opera bedeutet das: Bei den Besetzungen klotzt man, bei den Inszenierungen wird gespart. Von den neun Produktionen, die in dieser Spielzeit auf dem Programm stehen, sind acht bereits anderenorts herausgekommen, viele wurden schlicht eingekauft.
Bisweilen geht die...
Man tauchte sie in siedend heißes Wasser und schickte nach dem Henker, ihr das Haupt abzuschlagen. Doch es nützte alles nichts. Der glaubensstarken Cäcilie, Tochter aus gutem Patrizierhause, konnten selbst die grausamsten Folterqualen im heidnischen Rom nichts anhaben. Erst als Gottvater es für geboten hielt, sie heimzurufen, entschwebte die standhafte Seele von...
