Hier gilt's der Kunst?
Bayreuth war immer schon politisch, die Bayreuther Festspiele auch. Dass der Dichter erst wieder dichten könne, wenn es keine Politik mehr gebe, diesen Satz hat Wagner seiner politisch-ästhetischen Utopie zwar vorangestellt, ohne sich selbst allerdings daran zu halten. Aus welchen praktischen Zwängen auch immer: Als 1876 die ersten Festspiele eröffnet wurden, waren die adligen und bürgerlichen Eliten des Kaiserreiches da, und es gab jene politische Gala, die bis heute das Eröffnungsritual der Festspiele prägt.
Anfangs politisch konservativ, rückten die Festspiele im Laufe der Jahre immer mehr nach rechts, zunächst ins völkisch-nationalistische Lager, in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dann schnell und eindeutig ins nationalsozialistische. Man sehe dort nur noch «Rechtser-Deutsche», schrieb der liberale Journalist Bernhard Diebhold von der Frankfurter Zeitung nach seinem Besuch der Festspiele 1928 und beklagte das Fehlen von Liberalen und demokratischen Linken. Sein Aufruf, die Festspiele nicht den Rechtsradikalen zu überlassen, fruchtete freilich nicht. Schon lange vor 1933 waren diese auf jene Linie eingeschwenkt, die Hitler vorgab – jener «große Kanzler», den der ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Udo Bermbach
Den Grenzbereich zwischen Wahn und Wirklichkeit habe er ausloten wollen, sagt Librettist und Regisseur Alexander Müller-Elmau. Da ist es fast schon schade, dass er zur Motivation der unter dieser Prämisse entwickelten Bühnenaktion ein konventionelles Narrativ bemüht, das, wenn auch fragmentarisch aufgebrochen, Missbrauchserfahrungen und kindliche Traumata...
Das Berliner Musikfest stellt 2012 unter anderem Musiktheater in den Mittelpunkt. Simon Rattle dirigiert seit Langem wieder «Porgy and Bess», Sylvain Cambreling leitet Schönbergs «Moses und Aron» – und John Adams steht höchstselbst am Pult bei seinem Durchbruchsstück «Nixon in China».
So viel Stockhausen war selten. In Birmingham findet die erste Gesamtaufführung...
Die «Elektra»-Musik ist die modernste und kühnste, die Richard Strauss je komponiert hat. Kreischende Dissonanzen, schlingernde Polytonalität. Das Orchester fährt pausenlos Achterbahn, wenn es alle Herausforderungen meistert. Zu den während der letzten beiden Jahrzehnte produzierten CD-Einspielungen zählen die von Daniel Barenboim (1994), Giuseppe Sinopoli (1995)...
