Hommage an eine Muse

Houston, Heggie: Last Acts

Opernwelt - Logo

Wenn es um Bühnenwerke von Jake Heggie geht, ist es müßig, à la «Capriccio» über die Frage nach dem rechten Verhältnis von Musik und Sprache («prima la musica, poi le parole») zu debattieren. Seit der in San Francisco lebende Komponist Noten setzt, hat er vor allem Texte vertont – zunächst schrieb er Songs, dann Opern («Dead Man Walking») und «musical scenes». Die Sprache, das Wort sind für Heggie immer Dreh- und Angelpunkt gewesen. Und zwar in einem Maße, dass man darüber seine kompositorische Fähigkeiten leicht vergisst.


Das gilt auch für seine jüngste Oper «Last Acts». Das Ende Februar an der Grand Opera in Houston uraufgeführte Zwei-Stunden-Opus kreist um eine dysfunktionale Familie, die nur noch aus Mutter (Madeline), Tochter (Beatrice) und Sohn (Charlie) besteht. Heggies Musik macht es seinen Zuhörern sehr einfach: Unmittelbar zieht sie das Publikum in die Geschichte hinein, der Sinn für die Qualität der Partitur gerät dabei aus dem Blick. Weich und sanft fließen die Klänge dahin, in einer Bewegung ohne Ausschläge oder Extreme. Hin und wieder deutet eine versteckte Dissonanz auf das handwerkliche Niveau. Man hätte sich gewünscht, dass Heggie den Stoff mit etwas festerer Hand ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Wes Blomster

Vergriffen
Weitere Beiträge
Händel: Tamerlano

Auf der Riesenbühne des Nationaltheaters ein kleines Barocktheater nachbauen zu wollen, ist schlicht absurd. Aber da Münchens neuer «Tamerlano» mit Drottningholm koproduziert wurde, verfielen Regisseur Pierre Audi und Bühnen- und Kostümbildner Patrick Kinmonth auf die Idee, einfach ein paar grüne, gold­verzierte Portalhänger in den Bühnenraum einzupassen. Dazu...

So fragil, so kostbar

Ohne großen Auftritt kommt Cecilia Bartoli nicht auf die Bühne. Bei der konzertanten Aufführung von Bellinis «La sonnambula» im Festspielhaus Baden-Baden rauscht die Diva im weißen Brautkleid mit langer Schleppe ein und flirtet sogleich mit den Zuhörern in der ersten Reihe. Wenn Bartoli als Amina in der mit Höchstschwierigkeiten gespickten Kavatine «Sovra il sen la...

Theatermusik für alle

Es waren starke Worte, die die Hamburger anno 1728 von der Bühne ihres Opernhauses zu hören bekamen: «Adel ohne Tugend Zier / kommt mir wie ein Storchnest für. / Denn auf hoher Bäume Wipfeln / und der höchsten Häu­ser Gipf­feln / hat der Storch zwar sein Quartier / Übrigens hingegen tauget / gar zu nichts das ganze Tier.» Deutlicher als in dieser Arie des Rates...