Viele Valeurs

Opernwelt - Logo

Leider ist Lioba Braun nicht mehr in Bayreuth präsent, singt Ortrud und Brangäne nun in Dresden, Fricka in Neapel oder Venus in Los Angeles. Doch auf ihrer ersten Solo-CD bei Sony sind nun ihre Sieglinde, Kundry, Waltraute und – neben den betörend erotisch, ja strahlend gesungenen Wesendonck-Liedern – auch das «Tristan»-Vorspiel und Isoldes Lie­bes­tod als überzeugende musikalische Klammer festgehalten.

Wie schon in Bayreuth überzeugt nicht nur Lioba Brauns samtener, farbenreicher dramatischer Mezzo in Tiefe und Mittellage, sondern auch eine selbst im Piano leuchtende, nie scharfe Höhe. Exzellent artikulierend, mit vielen Valeurs, feinem, nie ausladendem Vibrato und großem Ausdruck singt sie die «Herzeleide-Erzählung» und den «Christus-Monolog» Kundrys. Die Durchschlagskraft ihrer Sieglinde und Waltraute (deren Monologe hier als Erzählungen über Wotan korrespondieren) überzeugt ebenso wie der subtil gesteigerte, schließlich frei flutende «Liebestod». Peter Schneider begleitet mit dem NDR Sinfonieorchester solide und verhalten ausdrucksvoll.

Lioba Braun singt Wagner (Wesendonck-Lieder und Ausschnitte aus «Parsifal», «Die Walküre», «Götterdämmerung», «Tristan und Isolde»).
NDR ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 17
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kasperletheater und Psychodrama

Es ist schon seltsam: Nie hat man sich so recht mit Keith Warners nachtschwar­zem, symbolistischen «Lohengrin» anfreunden wollen – kaum wird er das letzte Jahr gezeigt, da kommt angesichts der verführerischen Sonnenfins­ternis-Bilder fast so etwas wie Wehmut auf. Dabei hat sich an Warners statuarischer Personenregie über die Jahre kaum etwas geändert. Dafür...

Klassikerpflege

Dass Salzburg 1982 in Levine/Ponnelles «Zauberflöte» eine «ideale» Aufführung gesehen haben will, erstaunt angesichts dieser Aufnahme. War alles andere damals so schwach, dass solch eine Klassikerpflege als überragend galt? Oder hat der «historische» Mitschnitt den Esprit nicht eingefangen? Neben der statischen Regie und den schleppenden Dialogen stört die Routine...

Urheber und Verwerter

Öfter schon kam es vor, dass ein musikalisches Bühnenwerk ohne Bühne auf­geführt wurde. Der umgekehrte Fall ist möglicherweise erstmals beim Opern­festival im toskanischen Städtchen Barga eingetreten. Da fand, verhindert durch einen Gerichtsbeschluss im fernen Düsseldorf, die Aufführung der Musik zu einer mit ihr erarbeiteten und geprobten Inszenierung nicht statt:...