Editorial

Opernwelt - Logo

Der wichtigste Job in amerikanischen Kulturinstitutionen ist der des Fundraisers. Zumal in turbulenten Zeiten. Ohne (oft hoch dotierte) Spendensammler, die Unternehmen und Privatpersonen Geld aus der Tasche ziehen, könnten Museen, Bibliotheken, Orchester und Opernhäuser in den USA einpacken. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis: Zwischen New York und San Francisco war Kultur schon immer eine Art freiwillige Bürgerpflicht, der Staat tritt als Mäzen kaum in Erscheinung.

Während die Bundesregierung in Washington (2006) nur 125 Millionen Dollar für kulturelle Zwecke bereitstellte, warben gemeinnützige Einrichtungen (2007) rund 300 Milliarden Dollar ein. An der Bereitschaft, sich für das Wohl der Gesellschaft einzu-setzen, mangelt es also nicht in den USA. Der Haken: In großem Stil kann nur geben, wer viel übrig hat. Deshalb erreichen im Moment nicht einmal die gewieftesten Fundraiser ihr Soll.
Beispiel New York City Opera: Auf 60 Millionen Dollar wollte das Haus seinen Jahresetat aufstocken, um ab 2009 aus dem Mittelmaß (und dem Schatten der benachbarten Met) herauszutreten. Mit Gerard Mortier schien der richtige Mann für die Wende gefunden. Doch der sprang ab, als nur noch Zusagen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Editorial, Seite 1
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der betörende Glanz der Dummheit

Es gibt ein berühmtes Foto von Igor Strawinsky: der Meister mit auf die Stirn geschobener Brille, die Welt mit großen Augen betrachtend. Genau so verwundert wäre er wahrscheinlich angesichts der Verbotszettel gewesen, die bei den Vorstellungen seines «Rake» im November an den Türen des Theaters an der Wien klebten. Denn dass eine seiner Opern ins Visier des Wiener...

Klein, aber fein

Die niederländische Provinzstadt Maastricht ist bei uns vor allem wegen des dort vereinbarten EU-Vertrags ein Begriff. Empfindsame Stadtreisende wissen ihre architektonischen Schönheiten zu rühmen. Als lokales Opernzentrum ist sie bisher außerhalb des Landes nur wenig zur Kenntnis genommen worden. Das könnte und soll sich ändern, jedenfalls nach dem Willen der...

Die Zeit ist aus den Fugen

Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im...