Konzentration, Reduktion, Präzision
Eigentlich bemerkt man ihn kaum, den Hausmeister im mausgrauen Kittel, der in diesem Warteraum der Macht voller Sekretärinnen und Ministerialbeamten seine eintönige Arbeit verrichtet. Stoisch öffnet und schließt er immer wieder per Knopfdruck die bis zur Decke reichenden Fensterrolläden. Allmählich changiert so bleiernes Kunstlicht zu kaum weniger befreiendem Tageslicht, wie sich auch ganz langsam die Decke hebt und senkt, damit entweder Öffentlichkeit oder Privatheit herstellt.
Was wie aus dem Leben abgeschaut anmutet, ist zweite Realität, ist Produkt des Theaters.
Ist eine sich stetig verändernde Atmosphäre im bedrohlich klaustrophobischen Einheitsraum, den Herbert Murauer für Christof Loys Inszenierung von Donizettis «Roberto Devereux» in München ersonnen hat. Edita Gruberova als Elizabeth I. beginnt hier als eiskalte eiserne Lady im Kostüm einer Maggie Thatcher und schreitet am Ende in Zeitlupe als gealterte, verbitterte, von vergeblicher Liebe gezeichnete Königin im Abendkleid aus schwarzem Samt zum Finale. Fließend die Übergänge der Szenen, hautnah erleb- und sichtbar die Folgen von Folter, Misshandlung, Freiheitsentzug und Machtmissbrauch.
Im Wesentlichen sind alle Vorzüge ...
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Es hatte in der Luft gelegen. Immer wieder war das Essener Aalto-Theater während der letzten Jahre positiv aufgefallen. Mit Produktionen, die szenisch auf der Höhe der Zeit standen, ohne sich zeitgeistig anzubiedern. Mit einem intakten Hausensemble, das sein Handwerk aus dem Effeff beherrscht – von Händel bis Wagner, von Bellini bis Aribert Reimann. Mit einem...
Kategoriale Kürze
Anmerkungen zu Henzes Spätwerk
Das Spätwerk eines tatsächlich betagten Komponisten ist in der Musikgeschichte eher selten anzutreffen – erinnert werden kann hier an Schütz und Telemann, Bruckner und Strauss, und in diesem Jahr auch an den hundertjährigen Elliott Carter (immer noch in großer Produktivität tätig). Unbedingt ist in dieser Reihe auch...
Schon die Gattungsbezeichnung überraschte: Eine «Konzertoper» nannte Hans Werner Henze sein (vielleicht?) finales Musiktheaterwerk, das er komponierte, obwohl er zuvor glaubhaft versichert hatte, «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe», 2003 in Salzburg uraufgeführt, sei seine letzte Oper. Dass dieser «Wortbruch» sich als glückliche Fügung erwies, wurde...
