Freunde, kommt ins Offene!
Der Racheengel trägt Rot: giftig glühendes Scharlachrot. Auf den Lippen, über den Knien, um Schultern und Hüften. Kühl-mondän, einen Hauch verwegen präsentiert sich die Pariser Kinobesitzerin Emmanuelle Mimieux in ihrem delikat dekolletierten Kleid an diesem Abend, der für sie die einmalige Chance bereithält, ihre von den Nazis hingeschlachtete Familie zu rächen. Nicht eine Sekunde hat die junge Frau, deren wahrer Name Shosanna Dreyfus lautet (und die von Mélanie Laurent unvergleichlich gut gespielt wird), vergessen, was vor drei Jahren geschah.
Nun will sie nur noch eines: die Täter auslöschen. Der Preis ist hoch, sie liebt ihr Kino. Aber Shosanna kann nicht anders, sie muss das Unvermeidliche tun. Also setzt sie das Gebäude in Brand, mit Hilfe ihres Partners Marcel (Jacky Ido). Die Glut seiner Zigarette ist es, die, während drinnen der Propagandastreifen «Stolz der Nation» läuft, in den Haufen von Nitrofilmbändern fällt und jenes Inferno in Gang setzt, dem die gesamte Nazi-Prominenz zum Opfer fällt: Hitler, Goebbels, Göring, Bormann. Aber auch sie selbst, Shosanna Dreyfus alias Emmanuelle Mimieux, stirbt.
Das Kino steht heute noch. War ja nur ein Film. Allerdings ein brillant ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Reportage, Seite 50
von Jürgen Otten
Lieber Herr Marton, ist das gute, alte Stadttheater, wie es in Deutschland existiert, generell ein Ort für Sie?
Es ist eher die Frage, ob es ein Ort für Musiktheater ist. In Deutschland existiert immerhin dieser Begriff «Musiktheater», der auch experimentelle Formen jenseits der Oper oder des Musicals bezeichnet. Aber institutionell existiert diese Genre – anders...
Das Stück war nicht etwa uninteressant, es war einfach zu interessant, und deshalb war es schnell weg»: So deutet Peter Konwitschny das Schicksal von Paul Dessaus Oper «Lanzelot», uraufgeführt 1969 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, nirgendwo mehr inszeniert seit 1972. Der Regisseur, Jahrgang 1945, war selbst Mitakteur der (staatlich gelenkt) blühenden,...
Ein Luxus-Loft, Glas, viel freie Flächen. An den Wänden glänzen gerahmte LPs und einige Gitarren, in der Mitte prangt ein Designerbett. Rechts hinten tanzen Wasserreflexe bläulich über die Wand: Aus dem Bad taucht, keuchend wie ein knapp dem Ertrinken Entronnener, Orpheus auf und spuckt Konsonanten. Bis er sich gefangen hat, hält Apollo mit langen Rezitationen vom...
