Macht, was Ihr wollt!

Trojahn: Orest Hannover / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das erste Opernhaus unter der modischen Überschrift «Elektra I & II», die Richard-Strauss-Oper mit Manfred Trojahns «Orest» als Fortsetzung koppelt. Das Atriden-Double nähme es in Sachen Sex (eher weniger) und Crime (dafür umso mehr) durchaus mit Wagners «Götterdämmerung» auf, wäre aber dennoch deutlich kürzer.

Die Sache hätte nur zwei Haken: Man müsste darüber hinwegsehen, dass bei Strauss und Hofmannsthal Elektra am Ende stirbt, während Orests Schwester in Trojahns Fortsetzung eine in jedem Wortsinn treibende Kraft ist.

Und man dürfte die extrovertierte, manchmal auch präpotent überbordende Strauss-Partitur nicht mit Trojahns subtiler Musik vergleichen (auch wenn er als kleine Strauss-Reminiszenz das Heckelphon bemüht).

Trojahn illustriert den Selbstbefreiungsversuch des Helden als Kammerspiel und verhält sich in seinem ersten musikdramatischen Ausflug ins Hochdramatische erstaunlich unpathetisch. Das klingt oft zeitlos (oder unzeitgemäß?). Man weiß nie genau, wo man musikgeschichtlich gerade unterwegs ist. Aber das passt zu einem Stück, das dem Zuschauer einen fernen Mythos nahebringen will – und das erstaunlich gut schafft, weil die Musik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Wendungen, Windungen

Bevor die Todesmusik des Vorspiels einsetzt – mit den geteilten ersten und zweiten Violinen –, ist Violetta in Johannes Eraths Inszenierung von Verdis «La traviata» bereits gestorben. Für die Trauermusik sorgt, ganz zart, ein Totengräber mit einem Akkordeon, während ein junger Mann die mit welken Blättern überdeckte Leiche aus dem Bühnenboden zieht und verzweifelt...

Auf der Schwelle

Es war sicher nicht nur Bewunderung, die Richard Wagner für Gaspare Spontini hegte. Man spürt auch leise Ironie, wenn der Sachse in seinen Erinnerungen «Mein Leben» von den Begegnungen mit dem fast vier Jahrzehnte älteren Star des Opernbetriebs aus Italien spricht – der Erfolg der anderen war ihm nicht selten suspekt.

Dem Erfolg jedoch sollte keine Nachhaltigkeit...

Wurstlprater und Irrenhaus

Der Opernkomponist Franz Schubert wird es wohl nie zum Repertoirekomponisten schaffen, obwohl immer wieder und teilweise grandiose Aufführungen gelingen. Jetzt nahm sich das Mainfranken Theater Würzburg der frühesten Schubert-Oper an, die – auch das ist typisch – mehr als hundert Jahre auf ihre Uraufführung warten muss­te: «Des Teufels Lustschloss», komponiert...