Alle im Blick
Wenn man bedenkt, dass das Glimmerglass Festival 1975 bloß eine «Bohème» in der örtlichen High School war, hat sich die Kompanie enorm entwickelt. Stramm voran ging es insbesondere nach dem Bau des Alice Busch Theaters am Seeufer 1987: Man traute sich mehr in Sachen Repertoire, wagte Ur- und Erstaufführungen, erkundete Cavalli, Händel, Gluck. Längst beeindruckt die Alumni-Liste des 1988 ins Leben gerufenen Nachwuchsprogramms mit Namen wie Kate Aldrich, Angela Brower, Karina Gauvin, Christine Goerke, John Osborn, Brenda Rae, Anthony Roth Costanzo oder Kenneth Tarver.
2010 wurde Francesca Zambello Intendantin des Festivals, eine vielbeschäftigte Regisseurin, die seit 2012 auch die Washington National Opera leitet. Sie muss unaufhörlich um Sponsoren ringen, doch anders als ihre beiden glücklosen Vorgänger hat sie es geschafft, die Festivalfinanzen zu stabilisieren. Besonders eine Neuerung zahlt sich aus: Musical-Klassiker ziehen ein breites Publikum an. Diesmal stand «Show Boat» auf dem Programm, nächsten Sommer gibt es «The Sound of Music». Zambello hat auch Kooperationen mit Schulen im Umfeld angestoßen und Klavierfassungen von Opern wie «Macbeth» und «La Bohème» ins berüchtigte ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 60
von David Shengold
Vom Teatro alla Scala gibt es die schönen, noch auf die Zeiten Toscaninis zurückgehenden Plakate mit den dekorativen Lorbeerzweigen und dem roten Kreuz des Mailänder Stadtwappens in der Mitte. Mit dem emblematischen Logo waren bis vor Kurzem auch die Eintrittskarten geschmückt. Sie wurden von Hand eingetütet, per Post verschickt und galten bei den Besuchern als...
In Shakespeares «Henry V» heißt es: «The empty vessel makes the greatest sound» – ein leerer Topf tönt am lautesten. Natürlich darf man dabei an aktuelle politische Ereignisse denken; dass sich freilich immer wieder Mehrheiten finden, die Politclowns ernst nehmen und wählen, ist so erstaunlich wie unheimlich. Ob Satire helfen kann, den Pessimismus zu mindern? Wie...
Dass er den Job kann, steht außer Frage. Aber am Ende eines voltenreichen Auswahlprozesses war es eine Überraschung, dass Alexander Neef ab 2021 die Pariser Oper leiten wird – als Nachfolger Stéphane Lissners, der das hochherrschaftliche Intendantenbüro an der Place de la Bastille aus Altersgründen räumen muss. Mit dem 45-Jährigen, seit 2008 Chef der Canadian Opera...
