Quadratur des Kreises
Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden (Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles hineintun könnten.
Welche Relevanz hat heute ein Stück, in dem jemand fürs Ausleben seines sexuellen Triebs bestraft wird? Vielleicht jene, die der Dramatiker Edward Bond in der Einführung zu seiner Neuübersetzung der Urfassung von Frank Wedekinds «Lulu»-Drama konstatiert: Die Monstertragödie sei das erste moderne Stück, Capitalism’s prophetic history; sie zeige Sex nicht als Aggressor, sondern als Opfer des Konsumismus.
Kein Zufall, dass sich Richard Jones in seiner Inszenierung 2002 an der English National Opera Madonna als Bezugsperson aussuchte: Lisa Saffer, die damalige Lulu, schien deutlich nach dem Pop-Star modelliert. Freilich hatte Frank Wedekind bei der Feststellung, seine Lulu wäre lächerlich, wenn sie wie ein wildes Tier gespielt würde und nicht wie eine Madonna, ein ganz anderes Bild vor Augen. Nämlich das der ...
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Paul Celan ist heimgekehrt. 1958 verlieh man ihm den Literaturpreis der freien Hansestadt Bremen, jetzt produzierte das Bremer Theater die 2001 in Dresden uraufgeführte und seitdem von Mainz und Köln nachgespielte «Celan»-Oper von Peter Ruzicka. Eine Aufführung, die trotz großer Meriten die schon geäußerten Zweifel an diesem Werk (OW 5/2001 und 6/2003) nicht...
Es war eine Herzensangelegenheit. Als eine der letzten Inszenierungen in seiner mit dieser Spielzeit zu Ende gehenden Ära als Intendant der elsässischen Rheinoper hat Nicholas Snowman die Neuproduktion von Massenets «Werther» verantwortet – «ein Werk, das ich in mehrfacher Hinsicht liebe», wie er im Programmheft schreibt. Voilà, es ist ein schönes, nein, ein...
Die Sache ist heikel. Das Libretto nach einem Buch des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata erzählt die Geschichte eines Freudenhauses, das alten Männern ein besonderes Vergnügen bietet. Sie dürfen die Nacht im Bett mit einem sehr jungen, in Tiefschlaf versetzten, unbekleideten jungen Mädchen verbringen. Erlaubt sind keine Berührungen, nur Gedankenflüge....
