Der Besuch der alten Dame
Das Saallicht erlischt, ein Schwarzweißfilm blitzt auf: Eine junge Sängerin mit getürmtem Haar und dramatischem Make-up wirft sich mit Verve in die Schlussszene der Imogene aus Bellinis «Il pirata». Das Basler Publikum ist entzückt: Das muss sie sein, die junge Caballé. Vor fünfzig Jahren debütierte die Katalanin an dem Schweizer Theater, das ihr jetzt ein fulminantes Bühnenjubiläum ermöglichte.
Eine anspruchsvolle Aufgabe: Die stimmlichen Mittel, die der Dreiundsiebzigjährigen heute – nach mehr als viertausend Opernauftritten und unzähligen Konzerten – zur Verfügung stehen, sind wohl kalkuliert, aber übersichtlich. In Basel fällt das nicht ins Gewicht: Im Gepäck hat die Caballé – ja, genau, ihre Tochter Montserrat Marti – und zwei ihrer Meisterschüler, den russischen Tenor Nikolai Baskov und den Bariton Oleg Romashyn aus der Ukraine. Und es empfängt sie ein verbündeter Fan, der den Abend im ausverkauften Theater zum intimen Treffen macht: Kurt Aeschbacher ist für die Schweizer das, was den Deutschen Alfred Biolek ist. Er plaudert mit ihr entspannt über Baseler Zeiten und fünfzig Jahre im internationalen Opern- und Showbusiness.
Nach Sekunden ist klar: Neben den rund ...
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