Dunkle Revue
Zum Prädikat «letztgültig» hat es nicht mehr gereicht. Die «Uraufführung» 1959 in Moskau, sechs Jahre nach dem Tod Sergej Prokofjews, ist eher als Director’s Cut einzuordnen. Und wer weiß, was noch geworden wäre: ein, zwei Bilder weniger? Eine Straffung und Glättung, damit verbunden eine Verharmlosung der Tonsprache? Oder, angesichts des heraufdämmernden Ost-West-Konflikts, eine zusätzliche patriotische Aufwallung? Vielleicht ist «Krieg und Frieden» weniger widerstreitend, als mancher Essay das glauben macht.
Die streichergestützte Süffigkeit à la Puccini, die karikierende Klanglichkeit der Franzosen-Bilder, die vielen Gesichter des leitmotivischen Moll-Walzers, die ätherisch-ungreifbare Utopie, Momente des Brachialen – man kann das auch verbinden, logisch auseinander entwickeln und aufeinander beziehen. Joana Mallwitz führt es vor.
Es ist ihr Abend, diese erste Opernpremiere einer neuen Ära am Staatstheater Nürnberg. Immer wieder schaut man verwundert in den Graben und stellt fest: Das sind tatsächlich dieselben Musiker. Doch wie vielschichtiger, klangbewusster das Orchester agiert, das darf sich die Generalmusikdirektorin, die so ermunternd ihr bestechendes Handwerk ausspielt, ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Markus Thiel
In der an tumultuarischen Premieren- und Uraufführungskrächen nicht armen Musikgeschichte gehört der 31. März 1913 zu den Top Acts. Bei einem von Arnold Schönberg dirigierten Konzert im Großen Musikvereinssaal zu Wien stehen neben Schönbergs erster Kammersymphonie die «Sechs Stücke für Orchester» von Anton Webern, die Nummern 2 und 3 aus Alban Bergs «Fünf...
Ganz schön ungemütlich, die «Zwischenzeit». Dass ihnen der Wind der Gegenwart so heftig ins Gesicht wehen würde, hatten Stefanie Carp und ihr Team wohl kaum gedacht, als sie das Wort zum programmatischen Motto der Ruhrtriennale erklärten. (Neo-)Kolonialismus, Reichtum und Armut, Migration, Nord-Süd-Konflikt, Nationalismus, Erosion demokratischer Strukturen: Die...
Das Miller Theater an der Columbia University in Manhattan – es war Schauplatz mehrerer wichtiger Uraufführungen (u. a. von Gian Carlo Menottis Zweiakter «The Medium») – feiert in diesem Jahr die Eröffnung seiner neuen Spielstätte vor 30 Jahren. Seit jeher stehen dort Werke des Barock und unserer Zeit im Zentrum des Programms. Nun präsentierte das Theater zum...
