Stileinheit
Ihre Antworten sind so unmissverständlich wie ihre Art, Musik zu machen: «Es gibt keine Spezialisten und Nicht-Spezialisten, es gibt nur Stimmen, die passen, und Stimmen, die nicht passen.» Damit sind alle weiteren Fragen, warum Emmanuelle Haïm sich vor Jahresfrist für Ian Bostridge als Orfeo und nun für Rollando Villazón als Testo im «Combattimento di Tancredi e Clorinda» entschieden hat, überflüssig.
Das Ergebnis gibt ihr Recht. Wer glaubt, dass sich Villazón in Monteverdis Klangwelten ausnimmt wie ein Pfau im Innenraum des Kölner Doms, irrt.
Villazón trumpft auf, aber er übertrumpft nicht. Er singt kraftvoll, leidenschaftlich, aber auch diskret und schonend, stets mit Raffinement und in durchdachter Kongruenz mit dem mal duftig, mal kernig aufspielenden Concert d’Astrée. Auch Befürchtungen, dass sich Villazón im vokalen Zusammenspiel mit Topi Lehtipuu und der klangzaubernden Patrizia Ciofi als einsamer, dynamisch kraftstrotzender Vorkämpfer im Schlachtgetümmel erweisen würde, erfüllen sich nicht. Den Hörer erwartet vielmehr eine gelungene Synthese aus jener tenoralen Schlankheit, die sich in der Alte-Musik-Bewegung Bahn gebrochen hat, und einer selbstbewussten, selbst bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hans Werner Henze ist einer der bedeutendsten und vielseitigsten Komponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nicht nur im Bereich des Musiktheaters. Doch das Œuvre der Bühnenwerke ist selbst zu seinem 80. Geburtstag nicht gerade üppig auf CD oder DVD verfügbar. Immerhin gibt es nach wie vor «The English Cat» und «Pollicino» (Wergo), die Neufassung des...
Nun, da die Welt vermessen ist – und sei es nur durch die Literatur in Gestalt von Daniel Kehlmanns virtuosem Roman über Gauß und Humboldt – nun kann man daran gehen, das Unendliche zu vermessen. So jedenfalls muss das der Komponist Ingomar Grünauer im Sinn gehabt haben, als er anhub, eine Oper über den Mathematiker Georg Cantor zu verfassen. Wer, bitte schön,...
Was wird in diesem minutiös nachgebauten, von Sonnenlicht durchfluteten Wiener Kaffeehaus des 19. Jahrhunderts mit seinen vom Zigarrenrauch der Jahrzehnte angegilbten Putz wohl gespielt? Lessings «Minna», die in einem Wirtshaus beginnt? Eine Nestroy-Komödie? Schnitzler? Oder doch eine Mozart-Oper? Mit kleiner, separater Bühne ist dieser Ort ausgestattet, einer...
