Geniale Mischung
Eine Donizetti-Uraufführung! Bei gut 70 Opern – kommt es da auf eine mehr oder weniger an? Ja, denn «L’Ange de Nisida» erweist sich als ein Geniestreich. Aber ist diese Partitur nicht in «La favorite» aufgegangen, die Ende 1840 an der großen Oper in Paris herauskam? So glaubte man zu wissen. Gewiss, die Grundzüge der Handlung sind identisch. Doch nur knapp die Hälfte der für das Théâtre de la Renaissance konzipierten Partitur ging in «La favorite» ein.
Die andere Hälfte bietet unbekannte Musik – die zum Teil wiederum aus einem anderen Kontext stammt, aus der unvollendeten, italienischsprachigen «Adelaide».
Wichtiger als die komplizierte Philologie ist freilich die eigentümliche Tonlage dieses «Ange de Nisida»: pikanter und spritziger als später in «La favorite» – und in der einzigen Frauenrolle überdies brillanter. Denn am Staatstheater musste es feierlich zugehen (und die Titelpartie der tieferen Stimmlage der Geliebten des Operndirektors angepasst werden). So wurde das Skandalöse des Sujets abgeschwächt: Zwar hat auch in «La favorite» ein König eine Geliebte. Nun aber im fernen Mittelalter, in Santiago de Compostela, und nicht im Königreich Neapel. In «L’Ange de Nisida», dessen ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Anselm Gerhard
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