Belcanto mit Joghurt
Doch. Man wird bei Laura Scozzis Neuinszenierung von «Benvenuto Cellini» drei Stunden lang gut, teilweise sogar blendend unterhalten. Aber nach der mit Spannung erwarteten ersten Opernpremiere des neuen Staatsintendanten Peter Theiler vermag ich dennoch nicht in Jubel auszubrechen. Denn der Abend war zwar kurzweilig und in sich stimmig, er bot zum Teil großartige Stimmen, aber er hat nicht wirklich berührt. Das hat natürlich auch mit dem Stück zu tun, nicht nur mit der Interpretation.
So ungewöhnlich die Handlung ist (mit einem (selbst-)verliebten Künstler, Handwerker, Charmeur und Mörder als Titelhelden, mit den ersten streikenden Arbeitern der Opernbühne und einem – hier kiffenden – Papst), so ungewöhnlich ist auch die Musik: Sie sprengt zwischen Opéra comique und großer Oper alle Gattungs- und Stilkonventionen, pendelt zwischen heroischen und komödiantischen Szenen, romantischem Gefühl und buffoneskem Humor. Die Regisseurin hat sich, auch wenn sie damit die ursprüngliche Intention des Komponisten trifft, allzu sehr aufs Komödiantische verlegt. Sichtlich kommt sie von der Choreografie. Sie versetzt das Werk in die Gegenwart, distanziert sich vom hohen Opernsockel und wirft sich ...
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Die Opernproduktionen deutscher Stadttheater sind flüchtige Güter: Nach oft nicht mal einem Dutzend Vorstellungen verschwinden sie schon wieder vom Spielplan, und während in Italien jede vom Repertoirewert auch nur halbwegs interessante Produktion ein williges Piratenlabel findet, blieb von den ambitionierten Entdeckungen und Neuinterpretationen hiesiger...
Nach Philadelphia kommt man in der Regel, um sich die historischen Stätten anzusehen. Abschriften der Unabhängigkeitserklärung, die Freiheitsglocke oder die Wirkungsstätten Benjamin Franklins locken jedes Jahr unzählige Besucher an. Weniger bekannt ist, dass es in Philadelphia auch eine veritable Operncompagnie gibt, die – wie in den USA üblich – einen...
Dass Massenets «Manon» derzeit auf den großen Bühnen wie auch auf DVD eine Renaissance erlebt, liegt wohl auch an den unübersehbaren Vorzügen der Anna Netrebko. Auch in Mainz ist eine junge Russin für Massenets tragische Heldin am Start – eine Anna ebenfalls, wenn auch nur mit einem «n». Ana Durlovski ist den Mainzer und Berliner Theatergängern gut als «Königin der...
