Verspielt
Zar Peter I., genannt «der Große», inspirierte zahlreiche Dichter und Komponisten, so auch Gaetano Donizetti, der ihm gleich zwei Opern widmete. Dem Frühwerk «Pietro il Grande» (1818) folgte neun Jahre später «Il borgomastro di Saardam» auf ein französisches Bühnenstück, das die Grundlage auch für Albert Lortzings «Zar und Zimmermann» bildete. Es geht darin um einen historisch beglaubigten Aufenthalt Peters im niederländischen Zaandam (1698), wo er das Schiffsbauhandwerk erlernte.
Schon ein erster Vergleich zeigt, dass der gewitzte Dramaturg und Theaterpraktiker Lortzing, der sich seine Texte selbst schrieb, mehr aus dem Sujet herausgeholt hat als sein italienischer Kollege. Szenen wie der Holzschuhtanz oder die Chorprobe fehlen in der Version Donizettis, aber auch die politische Intrige bleibt unterbelichtet. Er arbeitet mit den Versatzstücken der neapolitanischen Opera buffa. Marietta ist hier das Mündel des alten Bürgermeisters, der ein Auge auf sie geworfen hat, und unsterblich verliebt in den hasenfüßigen, aber wunderbar schmachtenden Deserteur Pietro Flimann. Das gibt Anlass für empfindsame Duette, und da die Oper für die Sopranistin Caroline Unger (später die erste Adina ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Ekkehard Pluta
Die Vorstellung ist nicht ohne Charme: Dido als Adonis. Noch 1726, als Leonardo Vinci seine Vertonung des Metastasio-Librettos auf die Bretter brachte, gehörte es in Rom zum guten Ton, dass sämtliche Partien inklusive der designierten Frauenrollen mit vokal potenten Männern besetzt wurden. Und so kam es, dass der Superkastrat Domenico Giacinto Fontana alias...
Der Mann ist hier Mr. No, sogar Mister No-Go. Eine Namensverbotszone ist das, die von Kranzberg, Inn und den Ausläufern des Wilden Kaisers begrenzt wird. «Der Blogger» wird er in Erl nur genannt, erst recht vom Prinzipal. Überhaupt möchte sich Gustav Kuhn zur Affäre nicht äußern. «Das liegt bei den Anwälten», sagt er, um dann im persönlichen Gespräch ausgiebig vom...
Zweieinhalb pausenlose Stunden dauert die Vorstellung von Sergej Prokofjews «Spieler» im Antwerpener Opernhaus, und auf der Bühne gibt es nur Verrückte. Die Emotionen der Spielsüchtigen von Roulettenburg kochen permanent über. Deshalb fließt das bernsteingoldene Palm Royale bei der Premierenfeier danach wohltuend durch die Kehle. Auch Aviel Cahn, der Intendant...
